10. Februar 2009

Koloniales Denken – Geschichte?!

Abgelegt unter: Afrika in Deutschland — Schlagwörter:, — Ina @ 15:50

Vor ein paar Tagen war ich bei einem Vortrag über das Verhältnis vergangener Forschungsreisender und Kolonialismus. Wie bei solchen Abenden üblich, waren fünfzig Prozent des Publikums über sechzig Jahre. Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Wahrscheinlich ist ein entscheidender Faktor, dass die Vortragenden meist aus der gleichen Altersklasse stammen. Aber das ist jetzt gar nicht mein Thema, auch nicht der Vortrag an sich – der im Übrigen eher durchschnittlich war – sondern die spannende Aussage eines Zuhörers in der Diskussionsrunde.

Er meinte – nebenbei auch einer von der etwas ergrauten Publikumshälfte –, dass der Kolonialismus doch auch etwas sehr Positives gehabt habe. Immerhin wäre damit der afrikanische Sklavenhandel, der ja „vor allem von Afrikanern und Arabern ausgeführt wurde“, beendet worden. „Jetzt mussten die Tuareg selbst arbeiten“ und hätten nicht mehr ihre willenlosen Arbeiter gehabt.

Durch mein Studium der Afrikanistik bin ich einiges an absonderlichen Vorurteilen gewöhnt. Dennoch war ich diesmal mehr als überrascht. Von einem Menschen, der sich scheinbar für diese Problematik interessiert, immerhin hat er sich den Abend dafür frei genommen und den Weg ins Völkerkundemuseum gefunden, hätte ich doch mehr erwartet. Und eigentlich hatte ich diesen Vorfall schon fast wieder vergessen und wollte ihn auch nicht zu dem Thema der Kolumne machen, dann wurde ich aber wieder von einem typischen Vorurteil vor den Kopf gestoßen.

Ich habe die „Bild“ gelesen. Gut, über diese Zeitung kann man geteilter Meinung sein. Aber dennoch dachte ich immer, dass hinter den Artikeln Menschen stehen, die einen gewissen Bildungsgrad besitzen, da sie doch eine Form von Journalismus betreiben. Und was las ich: hinter dem fremdartig klingenden Namen einer Frau stand „afrikanisch für…“*. Noch einmal kurz zur Erinnerung: Afrika ist kein Land und afrikanisch ist keine Sprache.

Das sind vielleicht nur Kleinigkeiten und die meisten werden sagen, ich rege mich künstlich auf, aber es ist nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal sein, dass mir diese Vorurteile in Bereichen begegnen, wo ich es nicht erwarte. Diese Kleinigkeiten, die nicht immer unbedingt durch Unwissenheit entstehen, sondern durch bedenkenloses Handeln passieren, verursachen in der breiten Masse die Vorurteile, die typischerweise mit Afrika verbunden werden. Es führt dazu, dass Menschen, die entweder so etwas hören wie „der Kolonialismus hat den afrikanischen Sklavenhandel beendet“ oder „in Afrika sprechen sie afrikanisch“, sich nicht weiter damit auseinandersetzen und es so hinnehmen. Ich will das so nicht hinnehmen. Afrika besteht nicht nur aus hungernden, wilden Menschen, die sich gegenseitig massakrieren, sondern es ist ein Kontinent (!), der sehr vielseitig ist und eine komplizierte, stark mit Europa verbundene Geschichte besitzt. Das sollte immer wieder betont werden, damit keine Bestärkung der schon vorhandenen Vorurteile, stattfindet.

* Bildzeitung, Ausgabe Leipzig 32/6, 07.02.2009, S. 15

13. März 2008

Interview mit P.K. Addai

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, — Ina @ 16:02

 

Interview mit P.K. Addai

Am 13.03.2008 auf der Leipziger Buchmesse.
Patrick K. Addai über sein Schaffen und die Rezeption der afrikanischen Literatur in Deutschland.

M: Mich würde interessieren, wie Sie dazu gekommen sind, Kinderbücher zu schreiben.

 A:Ja, Sie wissen ja, Kinder sind unsere Zukunft. Ich habe in Österreich studiert und habe gesehen, dass leider Gottes über Afrika sowohl Kinder als auch Erwachsene ganz wenig wissen. Nach langer Überlegung habe ich dann angefangen, für die Kinder Geschichten zu erzählen – in Schulen und Kindergärten – und das Interesse war sehr hoch. Durch Geschichten kann man auch Kultur und Tradition anderen Menschen bekannt machen. Als ich dann zwei Jahre oder drei Jahre immer erzählt habe, habe ich gesagt, wenn ich nicht mehr hier in Europa bin, kann es sein, dass diese Geschichten nicht mehr weiter erzählt werden. Dann habe ich alles dokumentiert und zusammengefasst und in ein Buch gelegt – dies ist das Buch „Die Großmutter übernimmt das Fernsehen“. Der Erfolg war sehr groß. Dies ist schon die fünfte Auflage. Das hat mich motiviert, noch weiter zu schreiben und mittlerweile habe ich sieben Bücher geschrieben.

Die Idee war, Afrika aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Man liest sehr viel über Afrika – über Hungersnöte… aber die afrikanische Literatur in den Mittelpunkt zu setzen ist noch nicht gelungen. Aber es stimmt auch nicht, dass die Leute sich nicht für afrikanische Literatur interessieren. Sie interessieren sich, aber wie viele Afrikaner sind hier auf der Messe zum Lesen?

M: Das stimmt.

A: Die Verlage, die Verleger laden die Menschen aus Afrika nicht ein. Gott sei Dank habe ich einen Teil dieses Verlages (Adinkra Verlag) und ich mache es, dass der Verlag überleben wird.

M: Man hat ja gesehen, dass es viele Leute anzieht und dass afrikanische Literatur hier greifbar und erlebbar wird.

A: Genau, die Leute interessieren sich. Afrika interessiert die Leute. Wenn die Möglichkeit nicht besteht, Aufklärungsarbeit zu leisten, dann wissen wir, was in der Zeitung geschrieben steht, was im Fernsehen gezeigt wird – das ist für die Afrika.

M: Das ist ja ein sehr einseitiges Bild.

A: Genau.

M: Besuchen Sie hier auch noch Schulen?

A: Ja, heute war ich in einer Schule in der Torgauer Strasse. Dort waren fast hundertfünfzig Kinder. Die haben alle mitgemacht. Es ist nicht eine klassische Lesung wo man sitzt und liest – es ist wie Theater. Die Kinder befinden sich in der Geschichte und können auch ein bisschen mitmachen – sie dürfen alles mitmachen. Wenn sie laut sind, stört mich das nicht – das ist ein Teil der Geschichte (lacht).

M: Das ist schön. So werden die Kinder an afrikanische Literatur und auch allgemein an Literatur herangeführt.

A: Ja. Also, Sie können gerne unsere Homepage besuchen. Wir haben eine tolle Homepage (http://www.adinkra.at/). Es gibt viele Informationen. .. Ich habe mich sehr gefreut, vielen Dank.

Das Interview führte Markus Haack von matatu-afrika

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