19. Dezember 2009

Weihnachten in Afrika

Abgelegt unter: Allgemein — Schlagwörter:, , — Ina @ 14:53

Obwohl ich Verallgemeinerungen nicht ausstehen kann und es vermeide, von dem „Afrika“ zu sprechen, möchte ich doch zu dem gegebenen Anlass einen kleinen Überblick geben.

Dort wo das Christentum in Afrika verbreitet ist, wird auch Weihnachten gefeiert. Eine Besonderheit bildet Äthiopien. Da es dort eine eigene Kalenderrechnung gibt, feiert man Weihnachten immer am 7. Januar (unserer Kalenderrechnung). Nicht nur bezüglich des Kalender ist Äthiopien eine Ausnahme, sondern auch was das Christentum in seinem Land angeht. Im Gegensatz zu den anderen afrikanischen Staaten (Ägypten einmal ausgenommen) wurde der christliche Glaube nicht durch die Missionare ab dem 17. Jh. eingeführt, sondern viele Jahrhunderte früher. Deshalb haben sich viel eigene Traditionen, die noch mit dem „Urchristentum“ zusammenhängen, entwickelt, auch im Weihnachtsfest. Die Kirche ist bei diesem Fest der zentrale Punkt, so sind die christlichen Stätten mit Pilgern aus dem ganzen Land überfüllt. Die Weihnachtsfeier in der Kirche beginnt schon am Abend des 6. Januar. Soweit es möglich ist, erhält jeder Kirchenbesucher eine Kerze und geht mit der Kerze dreimal um die Kirche. Mit dem Ende der Weihnachtsmesse endet auch die über 40 Tage andauernde Fastenzeit. Auch dadurch wird das weihnachtliche Festessen umso mehr genossen.

Der Kirchenbesuch und das gemeinsame Essen haben alle Weihnachtsfeiern in Afrika gemeinsam. Wie an normalen Sonntagen auch, dauern die Gottesdienste an Weihnachten länger und sind lebendiger als bei uns. Man muss dazu sagen, dass zu Weihnachten in allen afrikanischen Ländern südlich des Äquators gerade Sommer ist und sie nicht wie wir in notdürftig geheizten Kirchen frieren müssen. Aber wahrscheinlich würden wir weniger frieren, wenn wir uns auch einmal von den harten Stühlen erheben und mehr tanzen und singen würden. Aber nicht nur in Afrikas Kirchen wird gesungen und getanzt, sondern auch auf den Straßen. Besonders Kinder laufen singend durch die Straßen von Haus zu Haus.

Nach dem Besuch der Kirche wird gemeinsam gegessen. Was auf den Tisch kommt, ist nicht nur abhängig von den jeweiligen Traditionen der einzelnen Familien, sondern auch von deren Einkommen. So wird überall aber gerne Fleisch verzehrt. In Ostafrika z. B. wird gerne eine Ziege geschlachtet und in Südafrika feiern sie bei den heißen Temperaturen am Strand und genießen ihren braai (afrikaans für Grillen/Barbecue).

Einen echten Weihnachtsbaum sucht man natürlich vergeblich. Den westlichen Kitsch, der als Weihnachtsdekoration verkauft wird, findet man auch in vielen afrikanischen Städten wieder. Es müssen nicht immer nur Nadelbäume geschmückt werden, das geht auch mit Palmen und Mangobäumen. Neben dem Kitsch made in China, gibt es einigen selbstproduzierten Weihnachtsschmuck. Vor allem aus Perlen und Draht gefertigte Weihnachtsbäume oder Kugeln entdeckt man. Neben diesen eindeutig nachgemachten westlichen Weihnachtsdekorationen, gibt es auch eigene Kreationen. Aus Südafrika habe ich selbst einige aus Perlen und Stoff hergestellte kleine „Puppen“ für den Weihnachtsbaum, die nicht nur eine schwarze Hautfarbe haben, sondern auch durch die Muster der „Kleidung“ eindeutig einen „african style“ besitzen.

Weihnachten in Afrika ist also kaum anders als bei uns. Die wichtigsten Programmpunkte: Kirche, Essen und Familie gibt es dort, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Die Geschenke, die bei uns doch ein wichtiger Bestandteil sind und auch die Vorweihnachtszeit prägen, spielen in vielen afrikanischen Familien eine untergeordnete Rolle. Das hängt vor allem mit der finanziellen Situation zusammen. Aber auch damit das Weihnachten in erster Linie als christliches Fest gesehen wird, wo die Kirche der Dreh- und Angelpunkt ist und nicht die Geschenke zu Hause. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

12. Juni 2009

Musik-Special zu Miriam Makeba

Abgelegt unter: Musik — Schlagwörter:, — Ina @ 13:20

Sie ist ein Vorbild für viele Afrikanerinnen. Neben ihrer Musik war es auch ihr Engagement in Politik und Gesellschaft, das Makeba weltweit bekannt machte. 1963 hielt sie eine Rede vor den Vereinten Nationen die zum endgültigen Bruch mit der Regierung Südafrikas führte. Ihr Einsatz gegen die Apartheid brachte ihr den Verlust der Staatsbürgerschaft. Für 30 Jahre hatte sie ihr Heimatland verloren. Sie wurde zur Ikone des Widerstandes der Schwarzen gegen die Kolonialherren. Miriam Makeba hat mit ihren künstlerischen Lebenswerk die Welt positiv verändert. Sie war bis ins hohe Alter voller Energie, hatte eine unglaubliche Ausstrahlung und war mit ihrer Lebensfreude ein Vorbild für afrikanische Frauen und Menschen der ganzen Welt. Miriam Makeba – “Mama Afrika” – starb im November 2008 im Alter 76 Jahren an einem Herzinfarkt bei einem Konzert in Süditalien.

26. Oktober 2008

Schreiner, Olive – The Story of an African Farm

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, , — Ina @ 20:10

Olive Schreiner (1855-1920) in Südafrika geboren und aufgewachsen ist eine bekannte Feministin, die in ihrem Roman das Leben auf einer Siedlerfarm im 19. Jahrhundert in Südafrika beschreibt.

Sie erzählt die Lebensgeschichte von drei jungen Menschen. Diese leben unter der Aufsicht von der als sehr stämmig beschriebenen Burenfrau Sannie. Em ist ihre Tochter, eine ruhiges und häusliches Mädchen. Der Gegenpart von ihr ist ihre Cousine Lyndall, die ihr intellektuell überlegen ist. Daneben gibt es den in sich sehr verschlossenen Waldo, Sohn eines deutschen Vorarbeiters. Das Leben dieser drei sehr unterschiedlichen Charaktere sind die Eckpfeiler des Romans.

Der erste Teil des Romans wird vor allem durch das Erscheinen des Hochstaplers Bonaparte gestaltet. Der den Tod von Waldos Vater begründet und der auch durch physische und psychische Gewalt Waldo vertreiben will. Schließlich wird ihm aber seine eigene Arroganz zum Verhängnis.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Emanzipation der drei Charaktere. Sie versuchen ihren Platz in der Welt zu finden und scheitern schließlich an ihrer Umwelt und unerfüllten Zielen.

Der Roman hat mich sehr beeindruckt, da er für seine Entstehungszeit sehr offen mit den Fragen der Emanzipation und Religiosität umgeht. Als er im 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde, hat er einen Aufschrei ausgelöst. Er zeigt eine Frau, die offen gegen jede männliche Bevormundung vorgeht und auch offen mit Sexualität umgeht. Gleichzeitig wird Kritik an der Kirche geübt.

Einfach zu lesen ist dieses Buch nicht. Es gibt keinen klaren Erzählstrang und Erzähler. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder durch lange Monologe mit Gott, philosophischen Diskursen und bis ins Detail geschilderte Landschaftsbeobachtungen, die die aufgebaute Spannung leider wieder zerstören.

Dennoch ist der Roman lesenswert und hochinteressant, um das damalige Leben der weißen Siedler in Afrika zu verstehen, dazu gehört auch, dass die Afrikaner keine Rolle in dem Leben der Siedler spielten. Sie sind auch in diesem Buch nur Randfiguren. Aber zu Recht wird Olive Schreiner als wichtige Feministin und Wegbereiterin für andere weibliche Schriftstellerinnen genannt, die offen über Themen wie Religion und Gleichberechtigung schreibt. Besonders in Gesellschaften, wie dem ländlichen Südafrika, welche sich erst spät mit diesen Themen auseinandersetzten.

25. Oktober 2008

Coetzee, J.M. – Schande

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Coetzee, J.M. - Schande

David Lurie hat nach Jahren am Lehrstuhl für romantische Dichtung an der technischen Universität Kapstadt eine impulsive Affäre mit einer seiner jungen Studentinnen. Er ist im mittleren Alter und lebt getrennt von seiner Frau. Die Reizlosigkeit des Gewöhnlichen, das sein daher von Langeweile geprägtes Leben ausmacht, führt dazu, dass er seine Moralkategorien zugunsten seiner Lust und Begierde aufgibt. Er stiehlt sich wie ein Dieb in das Leben der jungen Studentin, die noch zu wenig Reife hat, um der Situation gewachsen zu sein. Ihre Signale sind zweideutig zwischen Ablehnung und einer selbsterniedrigenden Unterwürfigkeit, die sie aus der Bahn wirft, ihr das Vertrauen in sich selbst nimmt und einen Ekel gegenüber dem, was ihr vorher würdig erschienen war, zu entwickeln. Sie entkommt der Situation, indem sie David Lurie anzeigt und sich von ihm fern hält.

In der Folge der Anzeige wird David der Prozess gemacht. Er soll zu einem Schuldeingeständnis gezwungen werden, dass er jedoch nicht geben kann, weil er der Konsequenz seines Handelns nicht entgehen will. Er ekelt sich davor, nicht zu der Schande zu stehen, falsche Tränen zu weinen und für seinen Job eine falsche Reue zu zeigen. Diese Falschheit würde seine Schande noch vergrößern, doch sie wird von ihm verlangt. Es wird an dieser Stelle undeutlich, wo die Schande überhaupt größer ist – bei den Anklägern, denen Falschheit zur moralischen Rehabilitation genügen würde, den militanten Feministinnen (WAR: Women against Rape) oder bei dem Angeklagten, der zumindest aufrichtig bleibt. Die Schande scheint allumfassend zu sein.

Ein Topos ist auch das Alter und das Dilemma, in einem alternden Körper zu sein, ohne dass sich die Bedürfnisse wesentlich geändert hätten. Als junger Casanova, davon gehrt er aus, wäre er nicht in eine solche Situation geraten, sondern nur weil sein Alter moralische Kategorien zu seinen Ungunsten verschiebt.

Nachdem David Lurie in die Arbeitslosigkeit entlassen wurde, zieht er zu seiner Tochter, die einen kleinen Hof auf dem Land führt. Dort wird er mit einem fremden Wertesystem konfrontiert, in dem das Leben in Einfachheit, der Tierschutz und, um es im Sinne Luries abfällig zu formulieren, der Ökokram einen hohen Stellenwert besitzen. Er übt sich darin, in ein neues Leben zu passen, Veränderungen zuzulassen. Zuerst scheint er dadurch etwas gewonnen zu haben, schnell zeigt sich jedoch, dass er aufhört, seine Lebensumstände seinem Wesen anzupassen, sondern dass er den umgekehrten Weg geht, was zwangsläufig zur Selbstaufgabe führen muss.

Bald zeigt sich Afrika von seiner brutalen Seite, als Lucy und er Opfer eines Raubüberfalls werden und sie nur mit schweren Verbrennungen überleben. Darin zeigt sich das Risiko, überhaupt etwas zu besitzen, dort wo alles so rar ist. Auch kommt hier wieder das Topos der Schande zum Tragen, als David klar wird, dass seine Tochter Lucy offenbar vergewaltigt worden ist, sich aber in ihr Leid eingräbt, anstatt es zu externalisieren. Er, der zu sich finden wollte, verliert seine Perspektive und geht unter in der Schande, die ihm und seiner Tochter widerfahren ist. Daraus lässt sich eine Ironie lesen, die am Ende die Schande wieder allgegenwärtig scheinen lässt. Als wollte David seine eigene Schande wieder gut machen, kämpft er mit den Dämonen, die seine Tochter beherrschen. Doch es ist ein vergeblicher Kampf.

Am Ende scheint er zwar irgendwo angekommen zu sein – er bleibt auf dem Land und hilft dort bei der Arbeit in einem Tierkrankenhaus. Doch David Lurie bleibt eine tragische Figur, ein in Ungnade gefallener, der alle seine Rollen verliert und keine neuen findet, die zu ihm passen könnten. Er kann nicht mehr viel geben und sein Intellekt verkümmert, weil er nutzlos geworden ist. Er gibt sich endgültig auf – erneut eine Schande.

Schande von J.M. Coetzee ist das Werk eines Intellektuellen, der über fundamentale Bedürfnisse des und Werte schreibt. Er fragt nach dem Sinn eines Lebens und schafft damit ein Exempel für das Dasein als Mensch überhaupt. Er sieht hinter Fassaden und beleuchtet die Schande, die sich hinter dem vordergründig Würdigem zeigt. „Schande“ ist ein Werk mit Abgründen und Tiefgang. Es ist großartig.

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28. November 2007

Coetzee, J.M. – Schande

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Coetzee, J.M. - Schande

Schande ist kein nettes Buch, das einen mit einem behaglichen Gefühl zurücklässt. Ganz im Gegenteil, man verlässt auf der letzten Seite die Hauptakteure mit ihrer trostlosen Zukunft. Obwohl sie mir während des ganzen Buches nicht richtig an Herz gewachsen sind, fühlte ich doch mit Ihnen, besonders in ihren schwierigsten Momenten.

Das außerordentliche an Coetzees Buch ist für mich, wie gut er die Lebenssituation, vor allem der weißen Bevölkerung des heutigen Südafrikas, dargestellt hat. Menschen, die noch nicht begreifen wollen und können, dass sich das Land verändert hat, mit all seinen Konsequenzen. Dabei sollte man sich nicht damit lange aufhalten, inwieweit Coetzee mit seinem Roman die schwarze Bevölkerung verteufelt – mir erschien das für den Roman unerheblich. Auch wenn dieser Roman zu großen Protesten geführt hat, für viele, besonders für einen Teil der Südafrikaner, ist das Buch an sich eine Schande. Mir war das beim Lesen nicht wichtig, ich fand die Verknüpfung der verschiedenen Themenkomplexe: die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen, das Verhältnis Mensch und Tier und schließlich die Bedeutung der Kunst im Leben der Menschen zu einer klar geschriebenen Erzählung, die einen mitreißt und gleichzeitig erschreckt, hervorragend. Obwohl letzteres Thema mich zum Teil eher verwirrte, als die Story voranbrachte, was wahrscheinlich auch beabsichtigt war.

Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der neben den üblichen Liebesgeschichten und im Fernsehen dargestellten Kitsch-Traumbildern das wirkliche Südafrika kennen lernen möchte und nicht den Plan hat, gerade im nächsten Urlaub nach Südafrika zu fahren.

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26. Oktober 2007

Gordimer, Nadine – Niemand, der mit mir geht

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Gordimer, Nadine - Niemand, der mit mir geht

Schauplatz ist Südafrika vor, während und nach Aufhebung der Apartheid. Vera Stark ist Anwältin in einer kleinen Kanzlei, die für die Rechte von zwangsumgesiedelten Schwarzen eintritt. Nach der Erklärung zur Aufhebung der Apartheid von ANC und der Regierung Südafrikas, versucht sie zwischen den weißen Farmern und Landbesitzern und den entrechteten Schwarzen zu vermitteln. Bei ihren Versuchen zu deeskalieren, kann sie jedoch einen Ausbruch der Gewalt nicht verhindern. Sie wird auch selbst Opfer eines Anschlags und bekommt dabei zu spüren, wie sich die sozialen Probleme des Landes manifestieren.

Gordimer gelingt es, die Verquickungen zwischen dem privaten Leben eines Individuums und dem Kontext eines Gesellschaftssystems im Umbruch auf fesselnde Weise darzustellen. Vera Stark, die als Anwältin einer prosperierenden Anwaltssocietät ihre berufliche Laufbahn begonnen hat, entscheidet sich dafür, die Augen nicht vor den drängenden Missständen zu verschließen. Dafür nimmt sie in Kauf, das aus ihren Kreisen niemand mit ihr geht, um ihren Kampf, den sie auf sachliche und friedvolle Weise führt, zu begleiten. Ein großartiges Buch der Literaturnobelpreisträgerin!

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Weiterführende Links zum Thema Apartheid:
Handelsblatt: Südafrikas letzter Apartheid-Präsident gestorben (01.11.2006)
Südafrika-News.de: Apartheid in Südafrika
Politik und Gesellschaft: Apartheid

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