Vor ein paar Tagen war ich bei einem Vortrag über das Verhältnis vergangener Forschungsreisender und Kolonialismus. Wie bei solchen Abenden üblich, waren fünfzig Prozent des Publikums über sechzig Jahre. Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Wahrscheinlich ist ein entscheidender Faktor, dass die Vortragenden meist aus der gleichen Altersklasse stammen. Aber das ist jetzt gar nicht mein Thema, auch nicht der Vortrag an sich – der im Übrigen eher durchschnittlich war – sondern die spannende Aussage eines Zuhörers in der Diskussionsrunde.
Er meinte – nebenbei auch einer von der etwas ergrauten Publikumshälfte –, dass der Kolonialismus doch auch etwas sehr Positives gehabt habe. Immerhin wäre damit der afrikanische Sklavenhandel, der ja „vor allem von Afrikanern und Arabern ausgeführt wurde“, beendet worden. „Jetzt mussten die Tuareg selbst arbeiten“ und hätten nicht mehr ihre willenlosen Arbeiter gehabt.
Durch mein Studium der Afrikanistik bin ich einiges an absonderlichen Vorurteilen gewöhnt. Dennoch war ich diesmal mehr als überrascht. Von einem Menschen, der sich scheinbar für diese Problematik interessiert, immerhin hat er sich den Abend dafür frei genommen und den Weg ins Völkerkundemuseum gefunden, hätte ich doch mehr erwartet. Und eigentlich hatte ich diesen Vorfall schon fast wieder vergessen und wollte ihn auch nicht zu dem Thema der Kolumne machen, dann wurde ich aber wieder von einem typischen Vorurteil vor den Kopf gestoßen.
Ich habe die „Bild“ gelesen. Gut, über diese Zeitung kann man geteilter Meinung sein. Aber dennoch dachte ich immer, dass hinter den Artikeln Menschen stehen, die einen gewissen Bildungsgrad besitzen, da sie doch eine Form von Journalismus betreiben. Und was las ich: hinter dem fremdartig klingenden Namen einer Frau stand „afrikanisch für…“*. Noch einmal kurz zur Erinnerung: Afrika ist kein Land und afrikanisch ist keine Sprache.
Das sind vielleicht nur Kleinigkeiten und die meisten werden sagen, ich rege mich künstlich auf, aber es ist nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal sein, dass mir diese Vorurteile in Bereichen begegnen, wo ich es nicht erwarte. Diese Kleinigkeiten, die nicht immer unbedingt durch Unwissenheit entstehen, sondern durch bedenkenloses Handeln passieren, verursachen in der breiten Masse die Vorurteile, die typischerweise mit Afrika verbunden werden. Es führt dazu, dass Menschen, die entweder so etwas hören wie „der Kolonialismus hat den afrikanischen Sklavenhandel beendet“ oder „in Afrika sprechen sie afrikanisch“, sich nicht weiter damit auseinandersetzen und es so hinnehmen. Ich will das so nicht hinnehmen. Afrika besteht nicht nur aus hungernden, wilden Menschen, die sich gegenseitig massakrieren, sondern es ist ein Kontinent (!), der sehr vielseitig ist und eine komplizierte, stark mit Europa verbundene Geschichte besitzt. Das sollte immer wieder betont werden, damit keine Bestärkung der schon vorhandenen Vorurteile, stattfindet.
* Bildzeitung, Ausgabe Leipzig 32/6, 07.02.2009, S. 15






