3. Juni 2008

Auf nach Kenia!?

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Auf nach Kenia!?

Kenia – Land der schneeweißen Strände, der weiten Savannenlandschaft voll mit exotischen Tieren und natürlich der farbenfrohen Massai. Anfang dieses Jahres hat uns unser beliebtes Urlaubsreiseland sehr erschreckt. Dank der Unterstützung einer unfähigen Regierung sind Kenianer unterschiedlicher ethnischer Herkunft aufeinander losgegangen. Nun, nach ein paar Wochen Ruhe, hört man kaum etwas Neues über dieses wunderbare Land.

Die Regierung bemüht sich in der Öffentlichkeit um Normalität, wo noch keine Normalität herrschen kann. Nach den gewaltsamen Unruhen, die zu 1500 Toten und 600.000 Flüchtlingen* geführt haben, ist die Angst immer noch im Land verbreitet. Wie soll man auch zur Tagesordnung übergehen, wenn das eigene Heim von einem Nachbarn zerstört wurde. Einige Flüchtlinge leben noch in Lagern, einerseits weil sie Angst haben nach Hause zurückzukehren, anderseits weil sie kein zu Hause mehr haben. Um jedes Zeichen dieser Gewaltausbrüche zu beseitigen, werden die Flüchtlinge jetzt sogar mit Gewalt gezwungen, die Camps zu verlassen. Wohin sie gehen sollen, bleibt ihnen überlassen.

Die kenianische Regierung hat auch allen Grund, den Schein der Normalität zu erzeugen, denn kaum ein anderes afrikanisches Land ist so von den Einnahmen des Tourismus abhängig. Deshalb reist jetzt der kenianische Minister für Tourismus Najib Balala durch Europa und macht Werbung für sein Land.

Was macht man nun als deutscher Tourist, der weiße Strände, Savannenlandschaft etc. sehr liebt, aber auch gerne mit einem guten Gewissen reisen möchte? Meiner Meinung nach: Reist nach Kenia! Auch wenn den Flüchtlingen wahrscheinlich dadurch nicht geholfen wird, aber so viele Menschen brauchen die Touristeneinnahmen – nicht nur die großen westlichen Hotelketten, sondern auch die „kleinen“ Angestellten, die Straßenverkäufer und die Wildhüter. Dennoch sollte man Kenia in Zukunft genauer beobachten, die Konflikte waren nicht nur eine Folge der Wahlmanipulation, sondern sie brodeln schon seit Jahrzehnten, ohne wirklich gelöst worden zu sein.

Deshalb an alle Touristen: schaut euch das Land an, bleibt nicht im Hotel oder am Strand liegen. Denn wenn es viele neugierige Touristen gibt, die in alle „Ecken“ schauen, wird die Regierung eher gezwungen sein, die Lebensqualität aller Kenianer zu verbessern und nicht nur einfach den Schein zu wahren.

*Zahlen von news.bbc.co.uk

18. April 2008

Lekuton, Joseph Lemasolai – Facing the Lion

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, , — Ina @ 19:45

Lekuton, Joseph Lemasolai - Facing the Lion

Lekuton, Joseph Lemasolai - Facing the Lion

Joseph Lemasolai Lekuton schreibt in „Facing the Lion“ über seine Kindheit als Nomadenjunge bei den Massai. Dabei zeichnet er ein buntes Bild seiner Lebenswirklichkeit von der frühesten Kindheit an bis zu seinem Aufbruch nach Amerika, wo er studiert hat. Der Leser des Buches kann ein Kind ab zwölf Jahren oder aber ein Erwachsener sein. Für beide ist es ein großer Gewinn, wenn Lekuton behutsam das Fremde zum Vertrauten macht. Er nimmt seine Leser bei der Hand und führt sie wie gute Freunde durch das Dorf, zu seinen Freunden, mit denen er spielt oder zur Viehherde, die er betreut.

Später nimmt er sie auch mit zur Schule. Ein neues Gesetz hatte damals in Kenia für je einen Jungen aus jeder Familie die Verpflichtung geschaffen, zur Schule zu gehen. In der Familie Lekuton trifft es Joseph, der eigentlich noch zu klein ist für die Schule. Einer seiner Brüder sträubt sich aber sehr gegen sie und der andere wird dringend für die Arbeit mit dem Vieh gebraucht.

Für Joseph ändert sich dadurch fast alles. Er lernt eine Wirklichkeit kennen, die mit seinem bisherigen Leben nicht viel gemeinsam hat. Und doch findet er sich schnell in den schulischen Alltag ein und wird ein wissensdurstiger Schüler. Die große Schwierigkeit besteht für ihn nicht darin, in der einen oder in der anderen Wirklichkeit zurechtzukommen, sondern nicht einer von beiden fremd zu werden. Sein oberstes Ziel ist es, zwar zur Schule zu gehen und dort auch die Uniform zu tragen, in einem Bett zu schlafen und sesshaft zu sein, gleichzeitig aber ein Massai zu bleiben.

Eine große Stärke des Buches ist die Art, mit der dieses Spannungsverhältnis, dieses Leben zwischen zwei Welten, kindgerecht greifbar gemacht wird. Noch beachtlicher ist es, dass trotz der schönen und zugleich für kindliche Leser geeigneten Sprache, das Buch auch von Erwachsenen mit so großem Gewinn gelesen werden kann. Ein Massai, der zwischen zwei Welten aufwächst und es schafft, diese beiden Welten zu verschmelzen – das ist eine Geschichte, die den Leser vieles lehrt. Zum einen lernt er kennen, was für die Massai wichtig ist, was anders ist als bei einer Kindheit in Deutschland und auch was ähnlich ist. Zum anderen lernt er etwas ganz Entscheidendes, nämlich dass das Andere nicht eine Abgrenzung schaffen muss, sondern dass es mit dem Vertrauten zusammen ein besseres Ganzes ergeben kann. Das Buch ist daher ein sehr wichtiges Buch. Es macht das Fremde vertraut und zeigt, wie viel Verbindendes es selbst in einer Lebensweise gibt, die uns europäischen Lesern beim ersten Hinsehen sehr fremd erscheinen mag.

Eine weitere Stärke des Buches ist sein Unterhaltungswert, der sehr hoch ist, obwohl es dem Leser so vieles lehrt. Es greift Situationen aus dem Leben des jungen Lekuton heraus, die zum Teil sehr abenteuerlich sind – so z.B. die Begegnung mit Wilderen oder, noch abenteuerlicher, mit Löwen. Andere Begebenheiten sind eher kurios – so z.B. die Geschichte von dem Kneifer, der ein Auge auf unartige Kinder hat und diese kneift, damit sie sich in Zukunft benehmen.

Ich hatte mit diesem Buch ein paar Stunden großen Lesevergnügens und wünsche ihm eine große Aufmerksamkeit, zu der ich mit dieser Rezension hoffentlich auch einen kleinen Beitrag leiste.

3. März 2008

Hemingway, Ernest – Die grünen Hügel Afrikas

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, , — Ina @ 17:23

 

Hemingway, Ernest - Die grünen Hügel Afrikas

„Die grünen Hügel Afrikas“ ist ein literarisches Experiment Hemingways, bei dem weder Personen noch Handlung oder Schauplätze fiktiv sind. Autor und Erzähler fallen somit ineinander, wodurch viele Einblicke in die Denkweise Hemingways zu gewinnen sind. Die einzige Verfremdung von der Wirklichkeit der vierwöchigen Safari, die Hemingway 1934 im kolonialen Kenia unternahm, fand folglich durch die zeitliche Distanz zwischen den Ereignissen und ihrer Niederlegung sowie durch die natürlich immer gegebene selektive Wahrnehmung statt.

Die Hemingways, d.h. Ernest und seine Frau, jagen zusammen mit Freunden und einigen farbigen Mitgliedern der Gruppe nach Großwild und durchstreifen dabei die Serengeti und das Bergland am Kilimandscharo.

Trotz des Verzichts auf imaginative Zutaten ist das Werk kein bloßer Bericht, sondern liest sich wie ein spannender Roman. Dazu trägt die Tektonik mehrerer Zeitebenen, lebhafte Konversationen zwischen den Charakteren, kontrastreiche Landschaften und eine meisterhafte Beherrschung der Sprache bei.

Ein Leitmotiv ist die Verfolgung. Durch dies wird bis zum Klimax des Jagderfolges oder dem Antiklimax des Misserfolges nach langer Suche im Busch, immer wieder Spannung erzeugt.

Neben literarischen Techniken, die gute Romane auszeichnen, besticht das Werk durch faktografische Elemente, die in der genauen Beschreibung der Topografie, klimatischer Besonderheiten, der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Bewohner des Landes liegen.

Die Schönheit Kenias, das Hemingway offenbar tief geliebt hat, wird oft in enge Sinnzusammenhänge mit der Jagd und der Gefühlswelt des Jägers gebracht. Innen- und Außenwelt treten so immer wieder miteinander in Korrespondenz.

Resümee

 Das Werk sei jedem, der gerne Hemingway liest, besonders empfohlen, da es wesentliche Charakterzüge seines Autors enthüllt. Er zeigt sich mit seinen Schwächen, z.B. wenn er einen übertriebenen, geradezu kindlichen Ehrgeiz entwickelt, die besten Jagdtrophäen davon zu tragen und seine Begleiter zu übertrumpfen. Der Diskurs mit einem Österreicher, den die Gruppe unterwegs trifft, ist ebenso aufschlussreich. Hemingway gibt viele Details über sein Verständnis des Wesens der Literatur und der Literaturkritik seiner Zeit preis.

„Die grünen Hügel Afrikas“ ist zwar sicher nicht das stärkste Werk Hemingways, aber es kann in seiner unausgeschmückten Wirklichkeitstreue dem Vergleich mit einem fiktiven Wortkunstwerk standhalten. Es sollte auch als Zeugnis einer vergangenen Zeit gelesen werden, in der die Jagd in Afrika als großes Abenteuer galt, bei dem elementare existentielle Erfahrungen gemacht werden konnten und Urinstinkte wieder wach wurden. Die kritischen Implikationen, die heute damit verbunden wären, hatten schließlich in den 30iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts noch keinen Bestand.

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22. Januar 2008

Hachfeld-Tapukai, Christina – Mit der Liebe einer Löwin

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Hachfeld-Tapukai, Christina - Mit der Liebe einer Löwin

Das Buch habe ich mir nicht wegen seines kitschigen Titels und des noch kitschigeren Einbands ausgesucht – das hat mich ehrlich gesagt eher abgeschreckt, wie mich der ganze Hype um diese Herz-Schmerzgeschichten mit Afrikahintergrund, die die letzten Jahre auf den Markt kamen, abgeschreckt hat. Sie zeigen oft ein sehr einseitiges Bild von Afrika und fördern meiner Meinung nach, dass Afrika als Freilichtmuseum für exotische Tiere und Männer gesehen wird.

Aber wieder zurück zu Frau Hachfeld-Tapukai, deren Roman über ihr Leben mit einem Samburu-Krieger ich mir als leichte Urlaubslektüre ausgesucht hatte. Moment … eine weiße Frau und ein Samburu-Krieger in Kenia, das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Wenn man den sehr erfolgreichen Roman „Die weiße Massai“ (was publikumswirksam falsch betitelt wurde, da Frau Hofmann auch einen Samburu geheiratet hatte und keinen Massai, was in manchen Augen vielleicht weniger exotisch wirkt) gelesen hat und sagen wir mal, weniger begeistert war von der sehr einfachen Sprache und der Naivität, die das ganze Buch verströmt, sollte trotzdem das Buch „Mit der Liebe einer Löwin“ lesen. Genau wie ich, wird der Leser positiv überrascht werden, denn die beiden Bücher sind nicht zu vergleichen. Hachfeld-Tapukai hat eine klare und gute Sprache. Für mich ist es zwar auch hier unverständlich, wie man sein Leben und Familie in Deutschland verlassen kann, um im „Busch“ in einer völlig fremden Welt zu leben. Aber die Autorin geht in der für sie neuen Kultur auf, sie sieht das positive, genauso wie das negative, aber sie kritisiert nicht alles mit ihrem europäischen Blick, sondern sie sieht es als etwas in dieser Kultur gewachsenes, was nur mit den dortigen Regeln langsam verändert werden kann. So möchte sie ein kleines Feld in dieser Viehzüchtergemeinschaft bestellen und geht den traditionellen Weg, in dem sie den Dorfältesten fragt und seine Entscheidung akzeptiert.

Dennoch gibt es auch bei ihr sehr große Schattenseiten in ihrem Leben, die sie nicht verschweigt, aber sie zerbricht nicht daran und gibt nicht auf, sondern lebt immer noch in Kenia. Vor allem dieser Hintergrund hat mir bewiesen, dass sie ihren Aufenthalt nicht als kurzweiliges exotisches Abenteuer sieht, sondern wirklich an diesen Veränderung in ihrer Biografie interessiert war und ist. Ich persönlich hoffe, sie schreibt mindestens noch ein Buch über ihr jetziges Leben in Kenia, denn das Erzählte war nur ein kleiner Teil vom Anfang ihrer neuen Liebe und es ist sicher noch vieles in den letzen 20 Jahren passiert.

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Blixen, Tania – Schatten wandern übers Gras

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Tania Blixen, die unter mehreren Pseudonymen bekannt ist, kann mit Recht als eine der größten Schriftstellerinnen des letzten Jahrhunderts bezeichnet werden. Und doch war ich im ersten Moment, als ich ihr Buch gelesen habe, etwas enttäuscht. Ich erwartete einen Roman ähnlich der Verfilmung „Jenseits von Afrika“. Aber es ist völlig anders.

Blixen erzählt in ihrem Roman viele kleine Erlebnisse aus ihrem Leben in der ehemaligen Kolonie Kenia. Der rote Faden fehlt dabei erst einmal, aber die einzelnen Schilderungen ihres Lebens zeichnen ein großartiges Bild der damaligen Zeit – das Ganze in einer Sprache, die zum Teil sehr poetisch ist und einfach Spaß macht zu lesen.

Besonderes Einfühlungsvermögen beweist sie in ihren Beschreibungen der schwarzen Afrikaner auf ihrer Farm, ohne dabei die Distanz zu verlieren, die für das damalige Verhältnis Schwarz und Weiß ausschlaggebend waren. Sie bleibt trotz aller Nähe, die sie durch ihr Verhalten aufbaut, die weiße Kolonialherrin. Das ermöglicht einen Blick in eine Zeit, die oft unverständlich auf mich wirkt, ohne dass man mit offenkundigen rassistischen Aussagen bombardiert wird, wie es oft in Kolonialerzählungen aus dieser Zeit vorkommt.

Ich kann diese Erzählungen von Blixen nur jedem empfehlen, es ist einfach ein Genuss sie zu lesen.

26. Dezember 2007

Zweig, Stefanie – Owuors Heimkehr

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Der Band enthält Erzählungen aus Afrika und einen Brief, den Stefanie Zweig 2001 anlässlich der Premiere der Verfilmung von “Nirgendwo in Afrika” an Sidede Onyulo, einen der Hauptdarsteller, schrieb. Ohne Überheblichkeit nähert sich Stefanie Zweig der Kultur an, in der sie, während des Zweiten Weltkrieges, aufgewachsen ist. Im Gegenteil zeigt das Werk die starke Tendenz, das, was der Autorin als westlich und zivilisiert gilt, in ein besonders negatives Licht zu setzen, um das Archaische und die Naturnähe als das Non plus ultra und einzig Wahre erscheinen zu lassen.

Als trivial im negativen Sinn ist ihr Werk dennoch nicht zu bezeichnen. Stefanie Zweig versucht nicht zu beschönigen. Es gelingt ihr einigermaßen, ein differenziertes Bild Kenias zu zeichnen. Sie stellt das Schöne neben das Elend, das besonders in “Ein Stück vom Glück” plastisch geschildert wird. Die guten Ansätze werden aber nach meinem Empfinden durch eine oft unnötig gestelzte Sprache, die reich an unfreiwillig komischen Metaphern und arm an stilistischer Treffsicherheit ist, zum Teil zunichte gemacht.

Die Charaktere bleiben außerdem klischeehaft. In “ein Stück vom Glück” fühlt die Protagonistin, eine Schauspielerin mit sinkendem Stern, sich wie die Barmherzigkeit in Person, nachdem sie eine Patenschaft für ein Kind in Kenia übernommen hat und zwanzig Euro monatlich überweist. Als die Hilfsorganisation sie einlädt, das Land zu besuchen, um dort publikumswirksam eine Schule einzuweihen, gönnt sie sich ein Ballkleid, um sich selbst zu feiern. Für ihr Patenkind nimmt sie einen großen grünen Stofffrosch mit und macht immer wieder “Quark”, weil sie das so lustig findet. In Nairobi lässt sie sich im Luxushotel von Touristen bauchpinseln, die große Fans ihrer Kitschserie sind. Es kommt wie es kommen muss. Sie beschliesst ihr Patenkind zu besuchen, obwohl ihr sehr davon abgeraten wird, da dieses im tiefsten Slum zuhause ist. Das, was sie dort vorfindet, entspricht nicht ihren Erwartungen. Am Ende ist sie ganz aufgelöst und in einem Zustand des nachhaltigen Schocks, weil sie mit so viel Schmutz, Gestank, Armut und Gewalt nicht gerechnet hatte. Die Geschichte funktioniert nur, weil die Protagonistin eine Person von herausragender Dummheit ist, die, wie es heisst, von Botswana noch nie gehört hatte und Peru mit Persien verwechselt.

In “Nachmittag am Barringosee” hat ein Banker aus Deutschland ein metaphysisches Erlebnis auf einer Safari, die sein Gastgeber ihm quasi aufzwingt. Er nimmt mehr ungewollt als gewollt daran teil. Die Begegnung mit der kenianischen Fauna wird für ihn dann aber zu einem Schlüsselerlebnis, dass alles übertrifft, was er je erlebt hat und das sein Bewusstsein für immer verändern soll. Am Barringsee hört er gar ein Pfeifen eines “unsichtbaren Abgesandten aus der Welt von Gestern”, das für ihn wie der Anfang des Loreley-Liedes klingt. Für meinen Geschmack hat Stefanie Zweig damit etwas zu dick aufgetragen. Störend sind pseudophilosophische Ergüsse und die Vermischung “afrikanischen Flairs” mit griechischer Mythologie – der Götterbote Hermes hat sein Gastspiel – und deutscher Sagenwelt. Das Stefanie Zweig dem Erzähler ein solches Repertoire angedeihen lässt, ist sicher dem Wunsch der Autorin entsprungen, gebildeter zu erscheinen.

“Eine afrikanische Karriere” ist die Geschichte eines “Aufstiegs” einer aus Armut von den Eltern verstoßenen Tochter zur Putzhilfe in einer Lodge und anschließend zur Hure in der Großstadt Nairobi. Dort wird sie von einem Filmteam angesprochen, das gerade nach Darstellern für einen kitschigen Safarifilm sucht. Kurz träumt sie den Traum von Reichtum und einem besseren Leben. Da es aber um eine “afrikanische Karriere” geht, weilt dieser Traum nur kurz. Am Ende hat sie weniger als zuvor, weil sie Opfer diverser Widrigkeiten wird. Diese Geschichte hat zwar auch die Tendenz, die Quellen jedes schlechten Einfluss´ auf den Menschen, seinen Charakter und seine Lebensweise bei der “westlichen Zivilisation” zu suchen, ist literarisch aber einigermaßen gelungen und zeigt Verhältnisse auf, ohne zu beschönigen.

In der Kurzgeschichte “Owours Heimkehr” nimmt der Erzähler die Perspektive Owours ein. Dies ist der Koch der Familie, die in dem autobiografischen Werk “Nirgendwo in Afrika” im Zentrum steht. Die Familie war aus dem Deutschland der Kriegszeit vor dem Terror der Nazis geflüchtet. Zuerst wird des Lebens Owuors von der Kindheit bis zu der Zeit, in der die Familie das Land wieder verlässt, geschildert. Dann zeichnet Stefanie Zweig ein Bild der inneren Kämpfe, die Owuor bestehen muss, als er in seine Heimat zurückkehrt. Er lässt ein Leben hinter sich, das ihn sehr verändert hat und muss seine Bestimmung für ein neues Leben an den Orten seiner Kindheit erst wieder finden. Für Fans von Stefanie Zweig ist “Owuors Heimkehr” sicher eine schöne Reminiszens an “Nirgendwo in Afrika”.

Mein Fazit: Owuors Heimkehr ist kein ganz schlechtes Buch. Es ist nicht allzu schwarz- / weiss-malerisch und hat einige gute Ansätze. Manchmal gelingt auch die Situationskomik und die Schilderungen von Elend sind immerhin so gelungen, dass sie ein echtes Betroffenheitsgefühl auslösen können. Das Werk ist jedoch weit davon entfernt, eine literarische Glanzleistung zu sein.

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