1. April 2009

Warum ausgerechnet Omar al-Bashir?

Abgelegt unter: Kommentare zum Zeitgeschehen — Schlagwörter:, , , — Ina @ 13:07

Omar al-Bashir

Herr Bashir, was haben Sie nur angestellt, dass die westliche Welt so sauer auf Sie ist? Sie haben es geschafft, als erster amtierender Präsident vor dem internationalen Strafgerichtshof gestellt zu werden. Falls es das Gericht zuwege bringen sollte, Sie festzunehmen – ohne eigene Polizei und Armee.

Die offiziellen Gründe für Ihre Unbeliebtheit sind ja allgemein bekannt. Das kann meines Erachtens nicht alles sein. Denn was Menschenrechtsverletzungen am eigenen Volk angeht, sind Sie keine herausragende Persönlichkeit. Da gab es schon andere vor Ihnen. Und warum auch ausgerechnet jetzt? Immerhin hat der unabhängige Sudan mehr Kriegs- als Friedenszeiten erlebt. Schon in den 80ern und 90ern starben Tausende von Menschen und weder den sudanesischen Präsidenten, noch die allgemeine Weltöffentlichkeit hat es mehr oder minder interessiert.

Eine Antwort liegt wahrscheinlich darin, dass der Sudan damals uninteressant war. Ein weiteres großes, armes Land auf dem Schwarzen Kontinent, wo schwarze Menschen durch die Hand anderer schwarzer Menschen starben – nichts Besonderes. Eine neue Dimension erhielt der Sudan mit den ersten größeren Funden an Erdöl. Das schwarze Gold konnte nun mehr Aufmerksamkeit für sich verbuchen als die schwarzen Bewohner. Durch internationale Unterstützung kam es dann schließlich zu einem Friedensvertrag, über dessen Durchsetzung man geteilter Meinung sein kann.

Herr al-Bashir, Sie haben es wahrscheinlich vergessen, dass der Westen es nicht mag, wenn man ihn für seine Hilfe nicht dankbar ist. Sie suchten sich Ihre neuen Freunde – die nach den Ölfunden natürlich Schlange standen – in China und dem Nahen Osten. Kann man ja verstehen. Mit denen können Sie bei einem Glas Tee viel besser ihre Gemeinsamkeiten austauschen. Vielleicht hätte man Ihnen diese Undankbarkeit verziehen.

Aber dann haben Sie einen entscheidenden Fehler begangen: Sie haben zu wenig in Ihre PR investiert und haben die Kraft der Bilder unterschätzt. Denn seit die Prominenten den vergessenen Flecken namens Darfur für sich entdeckt haben, sieht die breite Weltöffentlichkeit sterbende Frauen und Kinder und nicht nur ein paar engagierte Entwicklungshelfer und ihre Unterstützer. Als Verantwortlicher für diese Unmenschlichkeit wurde Ihr Name und Gesicht dargestellt und Sie haben es versäumt, dagegen etwas zu unternehmen. Sie hatten wahrscheinlich die Hoffnung, die westliche Welt vergisst genauso schnell wieder, wie sie darauf aufmerksam geworden ist – so wie sonst eben auch. Leider waren die menschlichen Katastrophen in letzter Zeit nicht so schlimm, wie in Darfur und deshalb stehen Sie immer noch auf der Unbeliebheitsskala ganz oben.

Sie lernen hoffentlich daraus, nicht zu sehr an einem Freundeskreis zu hängen und unbedingt mehr in eigene PR zu investieren. Man muss vermeiden, dass man selbst zum Sündenbock wird. Schauen Sie sich Ihre Nachbarn im Kongo an. Dort sterben auch täglich Menschen, aber das ganze wird so undurchsichtig gehalten, dass es kaum jemanden interessiert oder haben Sie dort schon einmal eine Angelina Jolie gesehen?

Jetzt ist es zu spät. Sie müssen beim Reisen aufpassen oder Sie landen in Den Haag. Mein Tipp: Suchen Sie sich einen schönen Rentensitz in China, vielleicht ist ja die Villa neben Herrn Mugabe in Hongkong noch frei.

Trotz aller Ironie: Die Anklage vor dem internationalen Strafgerichtshof ist ein wichtiger Anfang.

Video zum Thema:
Leider auf Englisch, aber sehr passend:

Weiterführende Informationen:

Weblog Sicherheitspolitik: Hoher Funktionär verteidigt al-Bashir (19.03.2009)
Alsharq-Blog: Der Haftbefehl gegen Omar al-Bashir und seine Folgen (05.03.2009)
Amnesty International USA-Weblog: A step towards justice for Darfur? (04.03.2009)


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