Die senegalesische Schriftstellerin Aminata Sow Fall ist in ihrem Heimatland, aber vor allem auch im französisch-sprachigen Raum, sehr bekannt. Ihr Buch „Der Streik der Bettler“ ist ihr erster Roman, der auch in der deutschen Übersetzung einem breiten Publikum hier vorgestellt wurde.
„Der Streik der Bettler“ ist ein ganz wunderbarer Roman, um den Konflikt der modernen Politik in afrikanischen Staaten gegenüber den alten Traditionen und religiösen Riten besser zu verstehen. Auch wenn augenscheinlich in Afrika Staatsgebilde nach europäischen und/oder amerikanischen Vorbild entstanden sind, zeigt der Roman auf eine humorvolle Weise, wie sehr die Staatsführung und auch die so genannte städtische Elite von traditionellen Bräuchen abhängig ist oder sich auch selbst abhängig machen lässt.
Die Hauptfiguren sind zwar Männer, aber im Laufe des Romans wird deutlich, wer die Fäden in Wirklichkeit zieht. Es sind die Frauen, wobei Aminata Sow Fall ganz verschiedene Typen aus unterschiedlichen sozialen Milieus vorstellt. Dadurch wird ein sehr realistisches Bild von Afrika aufgezeigt, denn vor allem in den islamischen Gesellschaften sind die Männer im öffentlichen Leben mehr präsent, was häufig zu dem Vorurteil führt, dass Frauen in diesen Gesellschaften wenig oder gar keine Macht besitzen.
Unter anderem deswegen habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Aminata Sow Fall thematisiert einen wichtigen Aspekt in dem Wandel in der sich die afrikanische Gesellschaft zur Zeit befindet, durchzogen mit Wörtern und kurzen Sätzen aus dem Wolof (meistgesprochene Sprache im Senegal) und Arabischen, was dem ganzen Roman mehr Authentizität verleiht. Gleichzeitig hat mich das aber auch im „Lesefluss“ gestört und wirkte deshalb manchmal ermüdend. Das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt, an einem ansonsten sehr spannend und humoristisch geschriebenen Roman, der hilft, die zum Teil verfahrene Situation des „modernen Afrikas“ zu verstehen.
