Weihnachten in Afrika
Geschrieben von Markus Haack am 19. Dezember 2009 | Abgelegt unter Allgemein
Obwohl ich Verallgemeinerungen nicht ausstehen kann und es vermeide, von dem „Afrika“ zu sprechen, möchte ich doch zu dem gegebenen Anlass einen kleinen Überblick geben.
Dort wo das Christentum in Afrika verbreitet ist, wird auch Weihnachten gefeiert. Eine Besonderheit bildet Äthiopien. Da es dort eine eigene Kalenderrechnung gibt, feiert man Weihnachten immer am 7. Januar (unserer Kalenderrechnung). Nicht nur bezüglich des Kalender ist Äthiopien eine Ausnahme, sondern auch was das Christentum in seinem Land angeht. Im Gegensatz zu den anderen afrikanischen Staaten (Ägypten einmal ausgenommen) wurde der christliche Glaube nicht durch die Missionare ab dem 17. Jh. eingeführt, sondern viele Jahrhunderte früher. Deshalb haben sich viel eigene Traditionen, die noch mit dem „Urchristentum“ zusammenhängen, entwickelt, auch im Weihnachtsfest. Die Kirche ist bei diesem Fest der zentrale Punkt, so sind die christlichen Stätten mit Pilgern aus dem ganzen Land überfüllt. Die Weihnachtsfeier in der Kirche beginnt schon am Abend des 6. Januar. Soweit es möglich ist, erhält jeder Kirchenbesucher eine Kerze und geht mit der Kerze dreimal um die Kirche. Mit dem Ende der Weihnachtsmesse endet auch die über 40 Tage andauernde Fastenzeit. Auch dadurch wird das weihnachtliche Festessen umso mehr genossen.
Der Kirchenbesuch und das gemeinsame Essen haben alle Weihnachtsfeiern in Afrika gemeinsam. Wie an normalen Sonntagen auch, dauern die Gottesdienste an Weihnachten länger und sind lebendiger als bei uns. Man muss dazu sagen, dass zu Weihnachten in allen afrikanischen Ländern südlich des Äquators gerade Sommer ist und sie nicht wie wir in notdürftig geheizten Kirchen frieren müssen. Aber wahrscheinlich würden wir weniger frieren, wenn wir uns auch einmal von den harten Stühlen erheben und mehr tanzen und singen würden. Aber nicht nur in Afrikas Kirchen wird gesungen und getanzt, sondern auch auf den Straßen. Besonders Kinder laufen singend durch die Straßen von Haus zu Haus.
Nach dem Besuch der Kirche wird gemeinsam gegessen. Was auf den Tisch kommt, ist nicht nur abhängig von den jeweiligen Traditionen der einzelnen Familien, sondern auch von deren Einkommen. So wird überall aber gerne Fleisch verzehrt. In Ostafrika z. B. wird gerne eine Ziege geschlachtet und in Südafrika feiern sie bei den heißen Temperaturen am Strand und genießen ihren braai (afrikaans für Grillen/Barbecue).
Einen echten Weihnachtsbaum sucht man natürlich vergeblich. Den westlichen Kitsch, der als Weihnachtsdekoration verkauft wird, findet man auch in vielen afrikanischen Städten wieder. Es müssen nicht immer nur Nadelbäume geschmückt werden, das geht auch mit Palmen und Mangobäumen. Neben dem Kitsch made in China, gibt es einigen selbstproduzierten Weihnachtsschmuck. Vor allem aus Perlen und Draht gefertigte Weihnachtsbäume oder Kugeln entdeckt man. Neben diesen eindeutig nachgemachten westlichen Weihnachtsdekorationen, gibt es auch eigene Kreationen. Aus Südafrika habe ich selbst einige aus Perlen und Stoff hergestellte kleine „Puppen“ für den Weihnachtsbaum, die nicht nur eine schwarze Hautfarbe haben, sondern auch durch die Muster der „Kleidung“ eindeutig einen „african style“ besitzen.
Weihnachten in Afrika ist also kaum anders als bei uns. Die wichtigsten Programmpunkte: Kirche, Essen und Familie gibt es dort, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Die Geschenke, die bei uns doch ein wichtiger Bestandteil sind und auch die Vorweihnachtszeit prägen, spielen in vielen afrikanischen Familien eine untergeordnete Rolle. Das hängt vor allem mit der finanziellen Situation zusammen. Aber auch damit das Weihnachten in erster Linie als christliches Fest gesehen wird, wo die Kirche der Dreh- und Angelpunkt ist und nicht die Geschenke zu Hause. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
Keine Kommentare »