22. April 2010

Aschewolke über Afrika

Abgelegt unter: Kommentare zum Zeitgeschehen — Schlagwörter:, , — Ina @ 09:33

Ein wenig aufgewirbelter Staub hat die letzten Tage den Flugverkehr Europas schachmatt gesetzt. Welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft und vor allem auf die Fluggesellschaften hatte, wird erst nach einiger Zeit feststehen.

Es wurde aber nicht nur die europäische Wirtschaft getroffen, sondern alle Länder die nach Europa exportieren. Die meisten afrikanischen Staaten bestreiten den größten Teil ihres Einkommens durch Exporte. Dabei sind einige Produkte weniger abhängig vom Flugverkehr als andere. Aber ein Land wie Uganda, das vor allem Nahrungsmittel und Blumen nach Europa exportiert, ist der Zusammenbruch des Flugverkehrs über Europa ein Desaster. Gerade Schnittblumen, aber auch Obst und Fisch können nicht lange gelagert werden. Sofort nach Ernte/Fang müssen diese gekühlt gelagert werden und schnellstens den Weg zu den Kunden finden. Ein Ausweichen auf andere Transportmittel ist also fast unmöglich. Nur wenige haben die Nahrungsmittel lieber an Bedürftige gespendet, als ihnen beim verrotten zuzuschauen. Durch das Überangebot und die geringe Nachfrage ist natürlich der Preis für einzelne Nahrungsmittel in den Keller gerutscht. Für die Wirtschaft kann ich nur hoffen, dass diese sich nach dem Ende des Flugverbots wieder schnellstens erholen.

Aber nicht nur der Export ist betroffen, sondern auch der “Import” von Europäern. Die europäischen Reisenden bilden die größte Gruppe der außerafrikanischen Touristen in Uganda. Aus den gleichen Gründen wie das Obst nicht weg kam, kamen die Touristen nicht nach Uganda. Dadurch dass viele ihre Reise stornierten, entgeht dem Tourismussektor wichtige Einnahmen. Wer die Kosten für die Vorbereitungen der Touristentouren, z.B. Personalkosten für die Guides oder Eintritt fürs “Gorillabestaunen” trägt, ist noch nicht klar.

Dieser vorher doch unbekannte Vulkan hat also nicht nur in Europa eine Menge Staub aufgewirbelt, sondern auch in Afrika. Wobei es wie immer so sein wird, dass sich die Wirtschaft Europas, vielleicht auch dank Staatshilfen, sehr viel schneller erholen wird. Die Auswirkungen in Afrika werden länger anhalten und von der Welt kaum beachtet werden, solange wir frisches Obst und Schnittblumen im Supermarkt finden.

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