14. Mai 2009

Abwarten und Tee trinken

Abgelegt unter: Kommentare zum Zeitgeschehen — Schlagwörter:, — Ina @ 16:52

 

Was ist los in Simbabwe?

Was ist los im Hyperinflationsland Simbabwe? Offenbar nicht viel, wenn man die dürftigen Pressemeldungen der letzten Wochen zum Maßstab nimmt. Noch vor gut zwei Monaten, zu des Präsidenten 85. Geburtstag und der dazugehörigen verschwenderischen Party, überschlug sich die weltweite Presse mit zum Teil wenig seriösen Berichterstattungen zu diesem Thema. Nun ist Simbabwe mit seinen Problemen wieder aus der kurzen Aufmerksamkeitsspanne verschwunden.

Das ist falsch. Denn es passiert einiges und zur Überraschung Vieler etwas Gutes. Jetzt drei Monate nachdem Morgan Tsvangirai und Robert Mugabe eine gemeinsame Regierung gebildet haben, werden erste Resultate sichtbar. So haben einige Schulen wieder geöffnet, die Preise stabilisieren sich, Grundnahrungsmittel sind wieder erhältlich und die Anzahl der Cholerafälle sind gesunken. Für ein Land, das eine unbeschreibliche Inflation hatte, eine Arbeitslosenquote über 90 Prozent und Menschen, die aus dieser völligen Hoffnungslosigkeit geflohen sind, grenzt diese positive Entwicklung an ein Wunder.

Trotz dieser optimistischen Nachrichten hält sich das Ausland zurück und die Unterstützung bleibt aus. Die Strategie in Europa und USA heißt „abwarten und beobachten“. Gründe dafür gibt es viele, der ausschlaggebende ist, dass Mugabe immer noch der mächtigste Mann in Simbabwe ist. Mit ihm seine loyalen Minister und Unterstützer. Keiner glaubt an einen wirklichen Gesinnungswandel dieser Machthaber. Aber auf was wartet man eigentlich? Dass Tsvangirai dem nächsten Mordanschlag zum Opfer fällt, dass durch den ausgebliebenen Sold die Armee die Regierung putscht oder, dass Mugabe stirbt und alles wieder gut wird. Davon könnte natürlich alles eintreten, außer vielleicht, dass alles wieder gut wird.

Die Regierung um Tsvangirai versucht ihr Bestes, im Moment haben sie aber große Probleme die Staatsbediensteten zu entlohnen. Dazu gehören nicht nur er selbst oder Mugabe sondern auch die frustrierte Armee, Lehrer, Krankenschwestern etc. Die soziale Infrastruktur ist nötig, damit in Simbabwe wieder ein normales Leben stattfinden kann. Das ist aber kein Plädoyer für eine Aufhebung der Sanktionen und Freigabe der gesperrten europäischen Konten der Regierung Mugabes, da dieses Geld bestimmt nie für die soziale Infrastruktur des Landes, sondern eher für Mugabes persönliche gedacht war. Sondern ich plädiere dafür, dass nach Strategien gesucht wird, wie die staatlichen Strukturen aufgebaut und gefördert werden. Im Augenblick werden hauptsächlich Nichtregierungsorganisationen unterstützt, was für das Überleben der Bevölkerung wichtig ist, aber dem Aufbau staatlicher Strukturen entgegenwirkt. Die Schulen und Krankenhäuser müssen wieder geöffnet werden und das funktioniert nur mit staatlichen Geldern.

Also „Abwarten und Tee trinken“ funktioniert nicht, sondern es muss nach Simbabwe geschaut und geholfen werden und zwar jetzt! Sonst wird sich in ein paar Monaten das Elend verschlimmern und die Kosten für einen Wiederaufbau steigen.

Vielleicht wird darauf extra gewartet, dann kann man wieder Soforthilfe leisten und seine Überschussproduktion aus seiner hoch subventionierten Landwirtschaft loswerden. Aber das ist nur ein ganz böser Gedanke, der einer frustrierten Afrikanistin einfallen könnte.

Video zum Thema:

Weiterführende Informationen zur Lage in Simbabwe:

Besonders aufschlussreich: Der Tagesspiegel: Mit harter Währung (17.04.2009)
Associated Press: Menschenrechtsanwalt in Simbabwe festgenommen (14.05.2009)
Ruhr Nachrichten.de: Wir sind pleite (02.05.2009)
Focus.de: Neue Verfassung gegen die Krise (12.04.2009)
Focus.de: Unglück oder Anschlag (07.03.2009)

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