26. November 2008

Le Clézio, Jean-Marie Gustave – Der Afrikaner

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Le Clézio, Jean-Marie Gustave – Der Afrikaner

In diesem autobiografischen Werk beschwört Le Clézio Bilder aus Kindheitsjahren herauf, die er in Nigeria verbracht hat. Es sind Bilder, die nachwirken. Er hat dort nicht wie die Kinder von Kolonialoffizieren gelebt, die weitgehend abgeschottet waren von der einheimischen Bevölkerung, sondern hat mit Kindern der Ibo und Yoruba zusammen gespielt. Sein Vater war Arzt an einem Ort, an dem nichts war, „was uns an die Welt erinnern konnte, in der wir bisher gelebt hatten“. Diese Welt, in der er in den ersten acht Jahren seines Lebens gelebt hatte, war das von Deutschen besetzte Frankreich und die ersten drei Jahre nach dem Krieg.

Der Afrikaner ist Le Clézios Vater, dem das Buch gewidmet ist. Er ist selbst nach seiner Pensionierung, die ihn wieder zurück nach Frankreich geführt hat, im Inneren Afrikaner geblieben. Zumindest ist alles an ihm dort geprägt worden. Seine Strenge und seine Abneigung gegenüber dem in seinem Empfinden mechanistischen Großstadtleben auf der einen Seite und die Suche nach dem Weiten und der Lebensintensität, wie er sie in den Landschaften Nigerias erlebt hat auf der anderen Seite.

J.M.G. Le Clézio selbst hat dort auch noch das erlebt, was Afrika zueigen war, bevor der westliche Einfluss auch die abgelegensten Winkel des Kontinents in irgendeiner Weise erreicht hat. Im Spiel mit den einheimischen Kindern hat er eine überwältigende Freiheit erlebt. Einen großen Eindruck hat auch die harmlose Freizügigkeit im Verhältnis zum eigenen Körper auf ihn gemacht. Körperlichkeit, unverfängliche Nähe und die Intensität aller Sinneseindrücke hat er als vielfach verstärkt empfunden. Bis heute, so schreibt er, kann er noch manchmal den Regen riechen, der in schweren Tropfen auf den staubigen Boden Nigerias niederfiel.

Afrika hat Le Clézio nie losgelassen. Die Emphase, mit der er Bilder erzeugt, lässt auch den Leser ahnen, mit welcher Wucht die Selbsterfahrung über Menschen hereinbricht, die sich den Eindrücken der Weite, der ungezähmten Naturgewalt und der überkommenen Rituale und Anschauungen der Einheimischen hingeben. Die Stärke des Buches liegt in dem Existenziellen, das es berührt. Ich halte es für unbedingt lesenswert.

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8. November 2008

Boyle, T.C. – Wassermusik

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Boyle, T.C. - Wassermusik

T.C. Boyle hat sich diesmal einen besonders in GB und Nigeria bekannten Afrikaforscher herausgesucht, um anhand seiner biographischen Daten einen Roman zu schreiben. Das ist nicht neu und klingt vielleicht erst einmal nicht so spannend, aber Boyle schafft es, durch das hinzufügen zwei weiterer Erzählstränge, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven so anschaulich zu beschreiben, dass ich eine wunderbare Vorstellung von den zwei Hauptorten der Handlung, England und Westafrika Ende des 18. und Anfang des 19. Jh., bekam. Er hat nichts verschönert, nichts romantisiert, ganz im Gegenteil. Bei der Darstellung Afrikas bedient er sich den mit Vorurteilen behafteten Beschreibungen damaliger Forscher.

Wassermusik ist ein ganz wunderbarer Schmöker, der fast alles hat, vor allem Abenteuer, aber auch Liebe, Krimi und etwas Erotik. Zu keiner Zeit war ich gelangweilt und trotz der unterschiedlichen Erzählstränge ergab alles eine logische Folge und verwirrte nicht. Auch wenn mir die Hauptakteure alle nicht sonderlich sympathisch waren – ein egozentrischer Forscher, ein Betrüger und eine schmachtende Ehefrau, eingeengt durch die damaligen Konventionen – fieberte ich mit ihnen mit und hoffte das Beste.

Der Roman hat mich so neugierig auf die historische Gestalt Mungo Park gemacht, dass ich gleich nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, mir die Reisebeschreibungen von Mungo Park gekauft habe, obwohl ich sonst kein großer Liebhaber von historischen Reiseberichten bin.
Also wer sich wieder mal völlig in die Seiten eines Abenteuerromans verlieren möchte, sollte sich gleich auf dieses wunderbare Buch stürzen.

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