Der Schwede Henning Mankell ist einer der wenigen europäischen Schriftsteller, der Afrika nicht nur liebt, sondern auch versteht. In seinen Romanen erzählt er Geschichten, ob anhand von historischen oder aktuellen sozialpolitischen Themen, die die verschiedenen Facetten Afrikas aufzeigen, ohne zu romantisieren.
In seinem Roman „Die flüsternden Seelen“ reiht er Episoden aus Lebensgeschichten von Europäern und Afrikanern ohne belehrenden Zeigefinger aneinander. Aber der Beginn seines Buches wirkt erst einmal irritierend, überraschend und dann auch ermüdend. In kurzen Erinnerungsfetzen und in ungewöhnlicher poetischer Erzählweise verurteilt er den Kolonialismus und erhebt die Afrikaner in ihrer Gesamtheit als Ideal. Das ist ungewöhnlich für einen Mankell-Afrika-Roman und wirkt aufgesetzt.
Daran sollte man sich aber nicht stören, sondern weiter lesen. Denn nach dem ungewöhnlichem Prolog beginnt er in allwissender Erzählform mit den Schicksalsgeschichten von sehr unterschiedlichen Menschen, die zum Teil auf ungewöhnliche Weise miteinander verbunden sind, unterbrochen von der Stimme Saminas, einer wichtigen spirituellen Kraft im Leben der Afrikaner.
Im Zentrum stehen die Figuren Dom Estefano und seine Frau Elvira, weiße Siedler, die während des Unabhängigkeitskampfs der Afrikaner im Land verharren und ihrem Diener Felisberto. Alle anderen Erzählungen sind mit diesen Menschen verwoben. Diese Geschichten zeigen die traurige, aber auch die unsagbar schöne Seite Afrikas in gleicher Weise.
In kaum einem anderen Roman wird die Magie Afrikas schriftstellerisch so gut dargestellt. Dieser Roman regt zum Träumen, zum Nachdenken und zum Verstehen an.
„Warum lebt man eigentlich? (…) Vermutlich lebte man, damit die andren, die lebten, Gesellschaft hatten. Niemand wollte einsam sein.“ (Mankell)
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