Am 13.03.2008 auf der Leipziger Buchmesse.
Patrick K. Addai über sein Schaffen und die Rezeption der afrikanischen Literatur in Deutschland.
M: Mich würde interessieren, wie Sie dazu gekommen sind, Kinderbücher zu schreiben.
A:Ja, Sie wissen ja, Kinder sind unsere Zukunft. Ich habe in Österreich studiert und habe gesehen, dass leider Gottes über Afrika sowohl Kinder als auch Erwachsene ganz wenig wissen. Nach langer Überlegung habe ich dann angefangen, für die Kinder Geschichten zu erzählen – in Schulen und Kindergärten – und das Interesse war sehr hoch. Durch Geschichten kann man auch Kultur und Tradition anderen Menschen bekannt machen. Als ich dann zwei Jahre oder drei Jahre immer erzählt habe, habe ich gesagt, wenn ich nicht mehr hier in Europa bin, kann es sein, dass diese Geschichten nicht mehr weiter erzählt werden. Dann habe ich alles dokumentiert und zusammengefasst und in ein Buch gelegt – dies ist das Buch „Die Großmutter übernimmt das Fernsehen“. Der Erfolg war sehr groß. Dies ist schon die fünfte Auflage. Das hat mich motiviert, noch weiter zu schreiben und mittlerweile habe ich sieben Bücher geschrieben.
Die Idee war, Afrika aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Man liest sehr viel über Afrika – über Hungersnöte… aber die afrikanische Literatur in den Mittelpunkt zu setzen ist noch nicht gelungen. Aber es stimmt auch nicht, dass die Leute sich nicht für afrikanische Literatur interessieren. Sie interessieren sich, aber wie viele Afrikaner sind hier auf der Messe zum Lesen?
M: Das stimmt.
A: Die Verlage, die Verleger laden die Menschen aus Afrika nicht ein. Gott sei Dank habe ich einen Teil dieses Verlages (Adinkra Verlag) und ich mache es, dass der Verlag überleben wird.
M: Man hat ja gesehen, dass es viele Leute anzieht und dass afrikanische Literatur hier greifbar und erlebbar wird.
A: Genau, die Leute interessieren sich. Afrika interessiert die Leute. Wenn die Möglichkeit nicht besteht, Aufklärungsarbeit zu leisten, dann wissen wir, was in der Zeitung geschrieben steht, was im Fernsehen gezeigt wird – das ist für die Afrika.
M: Das ist ja ein sehr einseitiges Bild.
A: Genau.
M: Besuchen Sie hier auch noch Schulen?
A: Ja, heute war ich in einer Schule in der Torgauer Strasse. Dort waren fast hundertfünfzig Kinder. Die haben alle mitgemacht. Es ist nicht eine klassische Lesung wo man sitzt und liest – es ist wie Theater. Die Kinder befinden sich in der Geschichte und können auch ein bisschen mitmachen – sie dürfen alles mitmachen. Wenn sie laut sind, stört mich das nicht – das ist ein Teil der Geschichte (lacht).
M: Das ist schön. So werden die Kinder an afrikanische Literatur und auch allgemein an Literatur herangeführt.
A: Ja. Also, Sie können gerne unsere Homepage besuchen. Wir haben eine tolle Homepage (http://www.adinkra.at/). Es gibt viele Informationen. .. Ich habe mich sehr gefreut, vielen Dank.
Das Interview führte Markus Haack von matatu-afrika

