3. März 2008

Hemingway, Ernest – Die grünen Hügel Afrikas

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, , — Ina @ 17:23

 

Hemingway, Ernest - Die grünen Hügel Afrikas

„Die grünen Hügel Afrikas“ ist ein literarisches Experiment Hemingways, bei dem weder Personen noch Handlung oder Schauplätze fiktiv sind. Autor und Erzähler fallen somit ineinander, wodurch viele Einblicke in die Denkweise Hemingways zu gewinnen sind. Die einzige Verfremdung von der Wirklichkeit der vierwöchigen Safari, die Hemingway 1934 im kolonialen Kenia unternahm, fand folglich durch die zeitliche Distanz zwischen den Ereignissen und ihrer Niederlegung sowie durch die natürlich immer gegebene selektive Wahrnehmung statt.

Die Hemingways, d.h. Ernest und seine Frau, jagen zusammen mit Freunden und einigen farbigen Mitgliedern der Gruppe nach Großwild und durchstreifen dabei die Serengeti und das Bergland am Kilimandscharo.

Trotz des Verzichts auf imaginative Zutaten ist das Werk kein bloßer Bericht, sondern liest sich wie ein spannender Roman. Dazu trägt die Tektonik mehrerer Zeitebenen, lebhafte Konversationen zwischen den Charakteren, kontrastreiche Landschaften und eine meisterhafte Beherrschung der Sprache bei.

Ein Leitmotiv ist die Verfolgung. Durch dies wird bis zum Klimax des Jagderfolges oder dem Antiklimax des Misserfolges nach langer Suche im Busch, immer wieder Spannung erzeugt.

Neben literarischen Techniken, die gute Romane auszeichnen, besticht das Werk durch faktografische Elemente, die in der genauen Beschreibung der Topografie, klimatischer Besonderheiten, der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Bewohner des Landes liegen.

Die Schönheit Kenias, das Hemingway offenbar tief geliebt hat, wird oft in enge Sinnzusammenhänge mit der Jagd und der Gefühlswelt des Jägers gebracht. Innen- und Außenwelt treten so immer wieder miteinander in Korrespondenz.

Resümee

 Das Werk sei jedem, der gerne Hemingway liest, besonders empfohlen, da es wesentliche Charakterzüge seines Autors enthüllt. Er zeigt sich mit seinen Schwächen, z.B. wenn er einen übertriebenen, geradezu kindlichen Ehrgeiz entwickelt, die besten Jagdtrophäen davon zu tragen und seine Begleiter zu übertrumpfen. Der Diskurs mit einem Österreicher, den die Gruppe unterwegs trifft, ist ebenso aufschlussreich. Hemingway gibt viele Details über sein Verständnis des Wesens der Literatur und der Literaturkritik seiner Zeit preis.

„Die grünen Hügel Afrikas“ ist zwar sicher nicht das stärkste Werk Hemingways, aber es kann in seiner unausgeschmückten Wirklichkeitstreue dem Vergleich mit einem fiktiven Wortkunstwerk standhalten. Es sollte auch als Zeugnis einer vergangenen Zeit gelesen werden, in der die Jagd in Afrika als großes Abenteuer galt, bei dem elementare existentielle Erfahrungen gemacht werden konnten und Urinstinkte wieder wach wurden. Die kritischen Implikationen, die heute damit verbunden wären, hatten schließlich in den 30iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts noch keinen Bestand.

Mehr unter: http://www.afrozone.de

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