26. Dezember 2007

Zweig, Stefanie – Owuors Heimkehr

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, — Ina @ 20:13

Der Band enthält Erzählungen aus Afrika und einen Brief, den Stefanie Zweig 2001 anlässlich der Premiere der Verfilmung von “Nirgendwo in Afrika” an Sidede Onyulo, einen der Hauptdarsteller, schrieb. Ohne Überheblichkeit nähert sich Stefanie Zweig der Kultur an, in der sie, während des Zweiten Weltkrieges, aufgewachsen ist. Im Gegenteil zeigt das Werk die starke Tendenz, das, was der Autorin als westlich und zivilisiert gilt, in ein besonders negatives Licht zu setzen, um das Archaische und die Naturnähe als das Non plus ultra und einzig Wahre erscheinen zu lassen.

Als trivial im negativen Sinn ist ihr Werk dennoch nicht zu bezeichnen. Stefanie Zweig versucht nicht zu beschönigen. Es gelingt ihr einigermaßen, ein differenziertes Bild Kenias zu zeichnen. Sie stellt das Schöne neben das Elend, das besonders in “Ein Stück vom Glück” plastisch geschildert wird. Die guten Ansätze werden aber nach meinem Empfinden durch eine oft unnötig gestelzte Sprache, die reich an unfreiwillig komischen Metaphern und arm an stilistischer Treffsicherheit ist, zum Teil zunichte gemacht.

Die Charaktere bleiben außerdem klischeehaft. In “ein Stück vom Glück” fühlt die Protagonistin, eine Schauspielerin mit sinkendem Stern, sich wie die Barmherzigkeit in Person, nachdem sie eine Patenschaft für ein Kind in Kenia übernommen hat und zwanzig Euro monatlich überweist. Als die Hilfsorganisation sie einlädt, das Land zu besuchen, um dort publikumswirksam eine Schule einzuweihen, gönnt sie sich ein Ballkleid, um sich selbst zu feiern. Für ihr Patenkind nimmt sie einen großen grünen Stofffrosch mit und macht immer wieder “Quark”, weil sie das so lustig findet. In Nairobi lässt sie sich im Luxushotel von Touristen bauchpinseln, die große Fans ihrer Kitschserie sind. Es kommt wie es kommen muss. Sie beschliesst ihr Patenkind zu besuchen, obwohl ihr sehr davon abgeraten wird, da dieses im tiefsten Slum zuhause ist. Das, was sie dort vorfindet, entspricht nicht ihren Erwartungen. Am Ende ist sie ganz aufgelöst und in einem Zustand des nachhaltigen Schocks, weil sie mit so viel Schmutz, Gestank, Armut und Gewalt nicht gerechnet hatte. Die Geschichte funktioniert nur, weil die Protagonistin eine Person von herausragender Dummheit ist, die, wie es heisst, von Botswana noch nie gehört hatte und Peru mit Persien verwechselt.

In “Nachmittag am Barringosee” hat ein Banker aus Deutschland ein metaphysisches Erlebnis auf einer Safari, die sein Gastgeber ihm quasi aufzwingt. Er nimmt mehr ungewollt als gewollt daran teil. Die Begegnung mit der kenianischen Fauna wird für ihn dann aber zu einem Schlüsselerlebnis, dass alles übertrifft, was er je erlebt hat und das sein Bewusstsein für immer verändern soll. Am Barringsee hört er gar ein Pfeifen eines “unsichtbaren Abgesandten aus der Welt von Gestern”, das für ihn wie der Anfang des Loreley-Liedes klingt. Für meinen Geschmack hat Stefanie Zweig damit etwas zu dick aufgetragen. Störend sind pseudophilosophische Ergüsse und die Vermischung “afrikanischen Flairs” mit griechischer Mythologie – der Götterbote Hermes hat sein Gastspiel – und deutscher Sagenwelt. Das Stefanie Zweig dem Erzähler ein solches Repertoire angedeihen lässt, ist sicher dem Wunsch der Autorin entsprungen, gebildeter zu erscheinen.

“Eine afrikanische Karriere” ist die Geschichte eines “Aufstiegs” einer aus Armut von den Eltern verstoßenen Tochter zur Putzhilfe in einer Lodge und anschließend zur Hure in der Großstadt Nairobi. Dort wird sie von einem Filmteam angesprochen, das gerade nach Darstellern für einen kitschigen Safarifilm sucht. Kurz träumt sie den Traum von Reichtum und einem besseren Leben. Da es aber um eine “afrikanische Karriere” geht, weilt dieser Traum nur kurz. Am Ende hat sie weniger als zuvor, weil sie Opfer diverser Widrigkeiten wird. Diese Geschichte hat zwar auch die Tendenz, die Quellen jedes schlechten Einfluss´ auf den Menschen, seinen Charakter und seine Lebensweise bei der “westlichen Zivilisation” zu suchen, ist literarisch aber einigermaßen gelungen und zeigt Verhältnisse auf, ohne zu beschönigen.

In der Kurzgeschichte “Owours Heimkehr” nimmt der Erzähler die Perspektive Owours ein. Dies ist der Koch der Familie, die in dem autobiografischen Werk “Nirgendwo in Afrika” im Zentrum steht. Die Familie war aus dem Deutschland der Kriegszeit vor dem Terror der Nazis geflüchtet. Zuerst wird des Lebens Owuors von der Kindheit bis zu der Zeit, in der die Familie das Land wieder verlässt, geschildert. Dann zeichnet Stefanie Zweig ein Bild der inneren Kämpfe, die Owuor bestehen muss, als er in seine Heimat zurückkehrt. Er lässt ein Leben hinter sich, das ihn sehr verändert hat und muss seine Bestimmung für ein neues Leben an den Orten seiner Kindheit erst wieder finden. Für Fans von Stefanie Zweig ist “Owuors Heimkehr” sicher eine schöne Reminiszens an “Nirgendwo in Afrika”.

Mein Fazit: Owuors Heimkehr ist kein ganz schlechtes Buch. Es ist nicht allzu schwarz- / weiss-malerisch und hat einige gute Ansätze. Manchmal gelingt auch die Situationskomik und die Schilderungen von Elend sind immerhin so gelungen, dass sie ein echtes Betroffenheitsgefühl auslösen können. Das Werk ist jedoch weit davon entfernt, eine literarische Glanzleistung zu sein.

Sow Fall, Aminata – Der Streik der Bettler

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter:, , , — Ina @ 20:12

Die senegalesische Schriftstellerin Aminata Sow Fall ist in ihrem Heimatland, aber vor allem auch im französisch-sprachigen Raum, sehr bekannt. Ihr Buch „Der Streik der Bettler“ ist ihr erster Roman, der auch in der deutschen Übersetzung einem breiten Publikum hier vorgestellt wurde.

„Der Streik der Bettler“ ist ein ganz wunderbarer Roman, um den Konflikt der modernen Politik in afrikanischen Staaten gegenüber den alten Traditionen und religiösen Riten besser zu verstehen. Auch wenn augenscheinlich in Afrika Staatsgebilde nach europäischen und/oder amerikanischen Vorbild entstanden sind, zeigt der Roman auf eine humorvolle Weise, wie sehr die Staatsführung und auch die so genannte städtische Elite von traditionellen Bräuchen abhängig ist oder sich auch selbst abhängig machen lässt.

Die Hauptfiguren sind zwar Männer, aber im Laufe des Romans wird deutlich, wer die Fäden in Wirklichkeit zieht. Es sind die Frauen, wobei Aminata Sow Fall ganz verschiedene Typen aus unterschiedlichen sozialen Milieus vorstellt. Dadurch wird ein sehr realistisches Bild von Afrika aufgezeigt, denn vor allem in den islamischen Gesellschaften sind die Männer im öffentlichen Leben mehr präsent, was häufig zu dem Vorurteil führt, dass Frauen in diesen Gesellschaften wenig oder gar keine Macht besitzen.

Unter anderem deswegen habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Aminata Sow Fall thematisiert einen wichtigen Aspekt in dem Wandel in der sich die afrikanische Gesellschaft zur Zeit befindet, durchzogen mit Wörtern und kurzen Sätzen aus dem Wolof (meistgesprochene Sprache im Senegal) und Arabischen, was dem ganzen Roman mehr Authentizität verleiht. Gleichzeitig hat mich das aber auch im „Lesefluss“ gestört und wirkte deshalb manchmal ermüdend. Das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt, an einem ansonsten sehr spannend und humoristisch geschriebenen Roman, der hilft, die zum Teil verfahrene Situation des „modernen Afrikas“ zu verstehen.

McCall Smith, A. – Ein Krokodil für Mma Ramotswe

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McCall Smith, A. - Ein Krokodil für Mma Ramotswe

Ein Krokodil für Mma Ramotswe ist der erste Band der erfolgreichen Romanreihe um Mma Ramotswe, der ersten Privatdetektivin Botswanas. Er erzählt wie alles begann und welchen Widerständen und Zweifeln die kleine Detektei trotzt. Ausgestattet mit nur zwei Tischen, Stühlen und einer Schreibmaschine wird sie bald zur Anlaufstelle für Menschen, die nicht mehr weiterwissen und in Mma Ramotswe einen verständigen und warmherzigen Ansprechpartner finden. Ihre Stärken sind ihr Mut, ihre unbestechliche Menschenkenntnis und eine Portion Respektlosigkeit, die ihr einen forschen Umgang mit vermeintlichen Autoritäten ermöglicht.

Mma Ramotswes Fälle sind mal skurill, mal makaber, mal ernst und manchmal auch mit traurigem Ausgang. Ihre helfende Hand dabei ist Mma Makutsi, die Sekretärin. Die Bedeutungsschwere der Fälle reicht von Eifersüchteleien bis hin zum Mordverdacht und sie hat Kunden aus allen gesellschaftlichen Schichten. Dabei steht sie auch als Mittlerin zwischen dem modernen Afrika mit seinem beschaulichen Wohlstand, den Kaufhäusern und Unterhaltungsangeboten und dem Afrika, in dem ein Medizinmann aus Körperteilen von Menschen ein Muti herstellt, das Zauberkräfte innehaben soll.

Vor dem Leser wird ein farbenfrohes Bild von der Figur der Mma Ramotswe und vielen Menschen und Dingen, die alle zusammen einen Teil von Afrika darstellen, aufgespannt. Die Sprache des Buches ist einfach, ohne primitiv zu sein. Die transportierten Moralvorstellungen sind ebenso einfach. Das zugrunde liegende Menschenbild ist positiv – zumindest solange es um Frauen geht.

Das Buch will unterhalten. Durch seine Leichtigkeit wird es zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Es sei allen empfohlen, die ein beschwingtes und optimistisch stimmendes Bild von Afrika, verpackt in guter Unterhaltung, suchen.

Mehr unter: http://www.afrozone.de

McCall Smith, A. – Ein Gentleman für Mma Ramotswe

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter: — Ina @ 19:55

 

McCall Smith, A. - Ein Gentleman für Mma Ramotswe

Dieses Buch ist ein leichter und herzlicher Roman, der zum Teil ein spannender Krimi ist, gleichzeitig aber auch durch seine Schilderungen des Alltags mal ein ganz anderes Bild von Afrika aufzeigt.
In der Detektei von Mma Ramotswe werden „Alltagsprobleme“ wie untreue Ehepartner genauso wie schwierige Fälle auf unkonventionelle Art gelöst. Leider werden dabei die Akteure ebenso wie Mma Ramotswe sehr eindimensional charakterisiert, es gibt nur wenige Grauzonen sondern hauptsächlich eine Teilung zwischen Gut und Böse. Dabei bleibt diese Schwarz/Weiß-Zeichnung, was keine Anspielung auf die Hautfarbe sein soll, nicht nur auf die Charaktere beschränkt, sondern geht auch auf die Gesellschaft im Ganzen über, nach dem Motto „früher war alles besser“. So wird Frau Ramotswe als eine emanzipierte Frau, die ihr eigenes Geschäft betreibt dargestellt, aber ebenso verliert sie sich immer in Schwärmereien und Idealisierungen der vergangen Zeit, wobei besonders die „alten Traditionen“ für Begeisterung sorgen. Mir persönlich fehlte dabei etwas die kritische Auseinandersetzung mit der alten, aber auch mit der neuen Zeit. Aber wahrscheinlich bin ich jetzt wieder zu kritisch, denn dieser Roman will in erster Linie unterhalten und das tut er auch!

Deshalb kann ich diesen Krimi jedem empfehlen, der einen leichten, sehr unterhaltsamen Roman sucht, der gleichzeitig einen Einblick in das Alltagsleben der immer noch viel zu kleinen afrikanischen Mittelschicht liefert.

Mehr unter: http://www.afrozone.de

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