28. November 2007

Coetzee, J.M. – Schande

Abgelegt unter: Afrika-Bücher — Schlagwörter: — Ina @ 17:44

 

Coetzee, J.M. - Schande

Schande ist kein nettes Buch, das einen mit einem behaglichen Gefühl zurücklässt. Ganz im Gegenteil, man verlässt auf der letzten Seite die Hauptakteure mit ihrer trostlosen Zukunft. Obwohl sie mir während des ganzen Buches nicht richtig an Herz gewachsen sind, fühlte ich doch mit Ihnen, besonders in ihren schwierigsten Momenten.

Das außerordentliche an Coetzees Buch ist für mich, wie gut er die Lebenssituation, vor allem der weißen Bevölkerung des heutigen Südafrikas, dargestellt hat. Menschen, die noch nicht begreifen wollen und können, dass sich das Land verändert hat, mit all seinen Konsequenzen. Dabei sollte man sich nicht damit lange aufhalten, inwieweit Coetzee mit seinem Roman die schwarze Bevölkerung verteufelt – mir erschien das für den Roman unerheblich. Auch wenn dieser Roman zu großen Protesten geführt hat, für viele, besonders für einen Teil der Südafrikaner, ist das Buch an sich eine Schande. Mir war das beim Lesen nicht wichtig, ich fand die Verknüpfung der verschiedenen Themenkomplexe: die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen, das Verhältnis Mensch und Tier und schließlich die Bedeutung der Kunst im Leben der Menschen zu einer klar geschriebenen Erzählung, die einen mitreißt und gleichzeitig erschreckt, hervorragend. Obwohl letzteres Thema mich zum Teil eher verwirrte, als die Story voranbrachte, was wahrscheinlich auch beabsichtigt war.

Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der neben den üblichen Liebesgeschichten und im Fernsehen dargestellten Kitsch-Traumbildern das wirkliche Südafrika kennen lernen möchte und nicht den Plan hat, gerade im nächsten Urlaub nach Südafrika zu fahren.

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