Das ist wahrscheinlich einer der längsten Titel für ein Buch, was ich jemals in den Händen hielt, aber der Titel passt fantastisch: Er ist nicht nur authentisch (das Zitat ist einem Brief entnommen), sondern er gibt auch den Grundtenor des Buches wieder. Das ganze Buch ist eine Anreihung von Geschehnissen, die so unglaublich sind, dass man sie nicht glauben möchte. Dennoch sind sie geschehen und werden sicherlich wieder geschehen. Der Ausspruch „Nie wieder“ der nach dem Holocaust gesprochen wurde, wird auch nach dem ruandische Genozid sein Versprechen nicht halten.
Das gut recherchierte Sachbuch zeigt nicht nur die Ursachen des Völkermordes in Ruanda auf, sondern zeigt auch wie in den ersten Jahren danach in Ruanda damit umgegangen wurde. Gleichzeitig wird immer wieder vor Augengeführt in welchem Ausmaß die Weltgemeinschaft versagt hat und zum Teil die falsche Seite unterstützt hat.
Das Buch vermittelt einen guten Überblick über das Thema und liest sich sehr gut. Durch zahlreiche Interviews werden die getroffenen Aussagen gestützt und sind realer. Gourevitch sprach nicht nur mit Überlebenden, Tätern und EZ-Helfern, sondern auch mit der neuen politischen Riege in Ruanda, vor allem mit dem jetzigen Präsidenten Paul Kagame. Dadurch ist dieses Buch auch für jeden zu empfehlen, der sich mit der jetzigen Situation in Ruanda beschäftigt. Die politische und wirtschaftliche Situation ist besser zu verstehen, in dem man der Entwicklung kurz nach dem Genozid mehr Beachtung schenkt.
Es war wieder ein Tag des …. Inzwischen gibt es ja für alles Mögliche einen Tag, “Tag des Baumes” oder “Tag der Milch”. Einige Tage haben eine sehr gute PR, wie zum Beispiel der Welt-Aids-Tag, der bekommt sogar eigene TV-Galas und Promis stecken sich an diesem Tag kleine rote Schleifchen an. Diesmal (25.04.2010) war Malaria dran und kaum einer wusste es. Der Welt-Malaria-Tag hat ein ähnliches Schicksal wie der “Tag der Milch”: kaum einer beachtet ihn.
Aber warum nur? So ein Tag soll dazu anregen, dass man mehr für das Thema sensibilisiert wird. Bei Milch scheint das mir weniger wichtig zu sein, als bei Malaria. Immerhin sterben jedes Jahr Millionen an dieser Infektionskrankheit. Vielleicht liegt es daran, dass man fast 90 Prozent aller Malariatoten in Afrika findet, aber das ist nur ein böser Gedanke. Die am härtesten getroffenen Länder sind DRC, Äthiopien, Ghana, Kenia, Mozambique, Sierra Leone und Sambia.
Aber die Weltbank vergisst Afrika nicht. Gerade haben sie festgelegt, dass sie 200 Mio. Dollar für die Bereitstellung von 25 Mio. Moskitonetze zur Verfügung stellen. Das ist eine wunderbare Geste, aber auch mehr nicht, denn Moskitonetze sind kein Allheilmittel. Das wäre ungefähr so, als wenn man den Mundschutz während der Grippewelle nur den halben Tag trägt. Leider gibt es Moskitos nicht nur in der Nacht im Schlafzimmer. Gestochen kann man auch abends beim Bier mit Freunden oder früh bei der Arbeit auf dem Feld. Die 200 Mio. Dollar hätten sie lieber in Medikamente umsetzen sollen, denn Malaria ist behandelbar. In den meisten Fällen auch nicht tödlich, wenn man Zugang zur ärztlichen Betreuung hat.
Wahrscheinlich brauchte die Weltbank wieder eine medienwirksame Spendenaktion. Denn am 31.12.2010 ist Stichtag an dem nachweislich gelungen sein sollte, die Anzahl der Malariatoten um die Hälfte zu reduzieren. Das wurde jedenfalls am 25.04.2000 in Abuja, Nigeria festgelegt. Bis jetzt sieht es nicht so gut aus. Aber vielleicht helfen die Moskitonetze, wenn schon nicht den Menschen, dann wenigstens der Statistik.
Ein wenig aufgewirbelter Staub hat die letzten Tage den Flugverkehr Europas schachmatt gesetzt. Welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft und vor allem auf die Fluggesellschaften hatte, wird erst nach einiger Zeit feststehen.
Es wurde aber nicht nur die europäische Wirtschaft getroffen, sondern alle Länder die nach Europa exportieren. Die meisten afrikanischen Staaten bestreiten den größten Teil ihres Einkommens durch Exporte. Dabei sind einige Produkte weniger abhängig vom Flugverkehr als andere. Aber ein Land wie Uganda, das vor allem Nahrungsmittel und Blumen nach Europa exportiert, ist der Zusammenbruch des Flugverkehrs über Europa ein Desaster. Gerade Schnittblumen, aber auch Obst und Fisch können nicht lange gelagert werden. Sofort nach Ernte/Fang müssen diese gekühlt gelagert werden und schnellstens den Weg zu den Kunden finden. Ein Ausweichen auf andere Transportmittel ist also fast unmöglich. Nur wenige haben die Nahrungsmittel lieber an Bedürftige gespendet, als ihnen beim verrotten zuzuschauen. Durch das Überangebot und die geringe Nachfrage ist natürlich der Preis für einzelne Nahrungsmittel in den Keller gerutscht. Für die Wirtschaft kann ich nur hoffen, dass diese sich nach dem Ende des Flugverbots wieder schnellstens erholen.
Aber nicht nur der Export ist betroffen, sondern auch der “Import” von Europäern. Die europäischen Reisenden bilden die größte Gruppe der außerafrikanischen Touristen in Uganda. Aus den gleichen Gründen wie das Obst nicht weg kam, kamen die Touristen nicht nach Uganda. Dadurch dass viele ihre Reise stornierten, entgeht dem Tourismussektor wichtige Einnahmen. Wer die Kosten für die Vorbereitungen der Touristentouren, z.B. Personalkosten für die Guides oder Eintritt fürs “Gorillabestaunen” trägt, ist noch nicht klar.
Dieser vorher doch unbekannte Vulkan hat also nicht nur in Europa eine Menge Staub aufgewirbelt, sondern auch in Afrika. Wobei es wie immer so sein wird, dass sich die Wirtschaft Europas, vielleicht auch dank Staatshilfen, sehr viel schneller erholen wird. Die Auswirkungen in Afrika werden länger anhalten und von der Welt kaum beachtet werden, solange wir frisches Obst und Schnittblumen im Supermarkt finden.
Es ist Wahlzeit, aber nicht irgendwelche Wahlen, sondern die ersten gesamtsudanesischen nach 1986, zwei Bürgerkriegen und vielen Toten und Vertriebenen. Am Sonntag, 11.04.2010, wurden die Wahlen eröffnet und auf Donnerstag, 15.04.2010 verlängert. Die Verlängerung trat vor allem wegen der schlechten Infrastruktur im größten Land Afrikas und den damit zusammenhängenden Problemen ein. Aber auch die Wahl selbst ist so komplex, dass kaum jemand durchschaut. Gerüchte besagen, dass jeder Wähler 20 Minuten braucht, um die Wahlzettel zu lesen, wenn er es kann, und um sie auszufüllen.
Nicht überraschend ist, dass Präsident al-Bashir alles versucht, um sich seine Mehrheit zu sichern. So sind die Wahlen gekennzeichnet durch nicht vollständige Wahllisten, Wahlkreisverschiebungen zu Gunsten der regierenden Partei und Boykotts der Opposition. Der einzige der diese Wahlen wirklich abhalten will, ist al-Bashir selbst. Er braucht die Wahlen, nicht nur das sie ein wichtiger Meilenstein des Friedensabkommen (CPA) von 2005 sind, sondern durch die Wahlen will er sich als Präsident für den gesamten Sudan legimitieren. 1989 an die Macht geputscht, wurde er nur durch Wahlen im Nordsudan als Präsident anerkannt. Die Menschen im Süden werden ihnen jetzt auch nicht wählen, aber dennoch sind es die ersten gesamtsudanesischen Wahlen. Aussichtsreiche Gegenkandidaten gibt es nicht. Die stärkste südsudanesische Partei die Sudanese People Liberation Movement (SPLM) zog ihren Kandidaten zurück. Die SPLM nimmt aber an den Parlaments- und Kommunalwahlen teil. (siehe auch Böhms Logbuch)
Obwohl selbst die Wahlen im CPA festgelegt, ist die SPLM eher wenig engagiert. Auf ihrer Prioritätenliste ganz oben steht ganz eindeutig das Referendum, welches im Januar 2011 über die Teilung des Sudan entscheiden soll. Die SPLM will nur genügend Sitze im Parlament gewinnen, um eine Verschiebung oder gar eine Zurücknahme des Referendums zu verhindern. Denn die Regierung in Khartum hat sich noch nicht, wie z.B. das Ausland damit abgefunden, dass der Südsudan das jüngste Land Afrikas wird. Aber der gute al-Bashir greift wieder mal zu seinen alten, aber immer wieder funktionieren Methoden: Uneinigkeit im Südsudan schüren. Das ist auch nicht schwer. Der SPLM fehlt zum Einen ein charismatischer Führer, wie der tödlich verunglückte Garang und zum Anderen die Erfahrung in der Regierungsführung und Ressourcenverteilung. So ist es für die Khartumer Regierung ein leichtes, den Neid in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen anzuheizen.
Schon allein aus diesem Grund sieht es nicht gut aus für einen unabhängigen Südsudan. Ich denke die Wahl gewinnt natürlich al-Bahir, das Referendum wird auf alle Fälle kommen und die Mehrheit wird sich für die Sezession entscheiden, aber was danach kommt, liegt für mich völlig in den Sternen. Sollte es wider Erwarten al-Bashir, der Mann steckt ja immer voller Überraschungen, doch noch schaffen die Sezession zu verhindern, dann kommt es bestimmt zum 3. Bürgerkrieg der Neuzeit im Sudan und Welt wird zuschauen.
Auch wenn ich im Moment durch mein Praktikum (Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda) immer etwas Afrika um mich habe, sehnte ich mich nach ein wenig wissenschaftlichem Austausch. Was für ein Glück, dass die Tagung der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) dieses Jahr in Mainz stattfand. Schon Wochen vorher freute ich mich auf das interessante und abwechslungsreiche Programm. Dementsprechend groß waren die Erwartungen. Die Organisation war gut, die Anmeldung funktionierte, die Infomappe übersichtlich und ausreichend mit vielen Zusatzmaterialien.
Dann ging’s endlich zu den ersten Panels, d.h. mehr oder weniger bekannte Wissenschaftler halten zu einem mehr oder weniger gemeinsamen Thema einen Vortrag und beantworten danach noch ein paar Fragen. Hört sich doch nicht so schwer an – ist es aber! Ich habe mal wieder gelernt, nur weil man ein anerkannter Wissenschaftler ist, ist man gleichzeitig nicht unbedingt ein guter Redner. Die freie Rede und die sinnvolle Nutzung von Powerpoint scheint ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Ich war schon sehr froh, mal kurz das Gesicht eines Redners zu sehen, der sich sonst immer hinter dem aufgeklappten Laptop versteckte. Das Publikum kaum anzuschauen, ist eine gute Taktik, um die gelangweilten Gähner nicht zu sehen. Ich hatte aber auch die Wahl, wenn ich nicht zuhören wollte, konnte ich auch lesen, denn der gehörte Text war nochmals in der PP abgebildet. Ich sollte vielleicht mal festhalten: Nur wenn man vor jeden Satz ein Aufzählungszeichen macht, ist das noch lange keine Stichpunkt. Aber mitlesen ging nur, wenn man etwas erkennen konnte: schwarze Schrift auf dunkelroten Hintergrund in Schriftgröße 8 hat mich doch etwas überfordert, diesen Augentest habe ich leider nicht bestanden. Der Vortragende hat es aber wenigstens erkannt, wenn auch etwas spät: “there are different colours, you can´t see” und ich hoffe auf Besserung. Ich begreif das nicht, wie kann man ein spannendes und wichtiges Thema durch eine schlechte Vortragsweise so verderben.
Aber die Panels hatten ein sehr unterschiedliches Niveau, nicht nur abhängig von den Rednern, sondern auch vom Moderator und Publikum. Denn auch Einzelne im Publikum haben mich genervt. Meine Bitte: W-Lan-Verbot! Es ist einfach nur anstrengend, wenn vor dir einer in seinem Laptop die ganze Zeit E-Mails liest und die neusten Nachrichten verfolgt. Es gibt keine Anwesenheitspflicht, geht ins Cafè und lest dort, ich will mich konzentrieren!
Besonders gut fand ich die Roundtables. Die Vorträge sind kurz, zum größeren Teil freie Rede und ohne PP. Danach hat man dann mehr Zeit für eine wirkliche Diskussion und somit für einen aktiven Austausch, der für eine Konferenz der Sinn und Zweck ist. Aber den besten Austausch gibt es immer noch während der Kaffeepausen, die schon allein wegen des leckeren Kuchens nicht verpasst werden dürfen!
Obwohl ich Verallgemeinerungen nicht ausstehen kann und es vermeide, von dem „Afrika“ zu sprechen, möchte ich doch zu dem gegebenen Anlass einen kleinen Überblick geben.
Dort wo das Christentum in Afrika verbreitet ist, wird auch Weihnachten gefeiert. Eine Besonderheit bildet Äthiopien. Da es dort eine eigene Kalenderrechnung gibt, feiert man Weihnachten immer am 7. Januar (unserer Kalenderrechnung). Nicht nur bezüglich des Kalender ist Äthiopien eine Ausnahme, sondern auch was das Christentum in seinem Land angeht. Im Gegensatz zu den anderen afrikanischen Staaten (Ägypten einmal ausgenommen) wurde der christliche Glaube nicht durch die Missionare ab dem 17. Jh. eingeführt, sondern viele Jahrhunderte früher. Deshalb haben sich viel eigene Traditionen, die noch mit dem „Urchristentum“ zusammenhängen, entwickelt, auch im Weihnachtsfest. Die Kirche ist bei diesem Fest der zentrale Punkt, so sind die christlichen Stätten mit Pilgern aus dem ganzen Land überfüllt. Die Weihnachtsfeier in der Kirche beginnt schon am Abend des 6. Januar. Soweit es möglich ist, erhält jeder Kirchenbesucher eine Kerze und geht mit der Kerze dreimal um die Kirche. Mit dem Ende der Weihnachtsmesse endet auch die über 40 Tage andauernde Fastenzeit. Auch dadurch wird das weihnachtliche Festessen umso mehr genossen.
Der Kirchenbesuch und das gemeinsame Essen haben alle Weihnachtsfeiern in Afrika gemeinsam. Wie an normalen Sonntagen auch, dauern die Gottesdienste an Weihnachten länger und sind lebendiger als bei uns. Man muss dazu sagen, dass zu Weihnachten in allen afrikanischen Ländern südlich des Äquators gerade Sommer ist und sie nicht wie wir in notdürftig geheizten Kirchen frieren müssen. Aber wahrscheinlich würden wir weniger frieren, wenn wir uns auch einmal von den harten Stühlen erheben und mehr tanzen und singen würden. Aber nicht nur in Afrikas Kirchen wird gesungen und getanzt, sondern auch auf den Straßen. Besonders Kinder laufen singend durch die Straßen von Haus zu Haus.
Nach dem Besuch der Kirche wird gemeinsam gegessen. Was auf den Tisch kommt, ist nicht nur abhängig von den jeweiligen Traditionen der einzelnen Familien, sondern auch von deren Einkommen. So wird überall aber gerne Fleisch verzehrt. In Ostafrika z. B. wird gerne eine Ziege geschlachtet und in Südafrika feiern sie bei den heißen Temperaturen am Strand und genießen ihren braai (afrikaans für Grillen/Barbecue).
Einen echten Weihnachtsbaum sucht man natürlich vergeblich. Den westlichen Kitsch, der als Weihnachtsdekoration verkauft wird, findet man auch in vielen afrikanischen Städten wieder. Es müssen nicht immer nur Nadelbäume geschmückt werden, das geht auch mit Palmen und Mangobäumen. Neben dem Kitsch made in China, gibt es einigen selbstproduzierten Weihnachtsschmuck. Vor allem aus Perlen und Draht gefertigte Weihnachtsbäume oder Kugeln entdeckt man. Neben diesen eindeutig nachgemachten westlichen Weihnachtsdekorationen, gibt es auch eigene Kreationen. Aus Südafrika habe ich selbst einige aus Perlen und Stoff hergestellte kleine „Puppen“ für den Weihnachtsbaum, die nicht nur eine schwarze Hautfarbe haben, sondern auch durch die Muster der „Kleidung“ eindeutig einen „african style“ besitzen.
Weihnachten in Afrika ist also kaum anders als bei uns. Die wichtigsten Programmpunkte: Kirche, Essen und Familie gibt es dort, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Die Geschenke, die bei uns doch ein wichtiger Bestandteil sind und auch die Vorweihnachtszeit prägen, spielen in vielen afrikanischen Familien eine untergeordnete Rolle. Das hängt vor allem mit der finanziellen Situation zusammen. Aber auch damit das Weihnachten in erster Linie als christliches Fest gesehen wird, wo die Kirche der Dreh- und Angelpunkt ist und nicht die Geschenke zu Hause. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
…oder Wie man Afrika wirklich helfen kann: Mit einem Vorwort von Rupert Neudeck
Ein Insider aus dem Diplomatischen Dienst meldet sich zu Wort Entwicklungshilfe wird reichlich gegeben. Sie wird als gute Tat nicht infrage gestellt. Das gilt auch für die Arbeit von Hilfsorganisationen. Doch die traurige Wahrheit ist, dass diese Art von Hilfe den wichtigsten Mechanismus zerstört, der langfristig die Armut beseitigen kann: die Entwicklung eines kompetenten, unbestechlichen und den Interessen der Bevölkerung dienenden Staatsapparates.
Ein Ende ist nicht in Sicht, solange die korrupten Eliten vom “Stamm der Wa Benzi”, so genannt nach der sehr beliebten Automarke, in ihrer Ausplünderungsmentalität ohne jede Verantwortung regieren und unbekümmert die Ressourcen verschwenden können, weil dieser Missbrauch für sie keine Folgen hat. Die Gelder fließen ja weiter. Nach 17 Jahren als Diplomat in Afrika plädiert Volker Seitz dafür, dieser schädlichen Art der Unterstützung ein Ende zu machen und völlig neue Wege zu gehen.
Eine Geschichte Afrikas? Des angeblich geschichtslosen Kontinents? Winfried Speitkamps Buch bewegt sich jenseits der üblichen Klischees: Seine Geschichte Schwarzafrikas stellt politische Formationen, Reiche und Staaten vor, von den Anfängen in alten, schriftlosen Kulturen, während und nach der Kolonialzeit, bis zu den aktuellen Problemen der Vergangenheitsbewältigung in Südafrika und Ruanda. Er beschreibt die gesellschaftliche Vielfalt und zeigt die Bewohner afrikanischer Länder nicht als Opfer, sondern als Handelnde ihrer eigenen Geschichte.
Sie ist ein Vorbild für viele Afrikanerinnen. Neben ihrer Musik war es auch ihr Engagement in Politik und Gesellschaft, das Makeba weltweit bekannt machte. 1963 hielt sie eine Rede vor den Vereinten Nationen die zum endgültigen Bruch mit der Regierung Südafrikas führte. Ihr Einsatz gegen die Apartheid brachte ihr den Verlust der Staatsbürgerschaft. Für 30 Jahre hatte sie ihr Heimatland verloren. Sie wurde zur Ikone des Widerstandes der Schwarzen gegen die Kolonialherren. Miriam Makeba hat mit ihren künstlerischen Lebenswerk die Welt positiv verändert. Sie war bis ins hohe Alter voller Energie, hatte eine unglaubliche Ausstrahlung und war mit ihrer Lebensfreude ein Vorbild für afrikanische Frauen und Menschen der ganzen Welt. Miriam Makeba – “Mama Afrika” – starb im November 2008 im Alter 76 Jahren an einem Herzinfarkt bei einem Konzert in Süditalien.
Was ist los im Hyperinflationsland Simbabwe? Offenbar nicht viel, wenn man die dürftigen Pressemeldungen der letzten Wochen zum Maßstab nimmt. Noch vor gut zwei Monaten, zu des Präsidenten 85. Geburtstag und der dazugehörigen verschwenderischen Party, überschlug sich die weltweite Presse mit zum Teil wenig seriösen Berichterstattungen zu diesem Thema. Nun ist Simbabwe mit seinen Problemen wieder aus der kurzen Aufmerksamkeitsspanne verschwunden.
Das ist falsch. Denn es passiert einiges und zur Überraschung Vieler etwas Gutes. Jetzt drei Monate nachdem Morgan Tsvangirai und Robert Mugabe eine gemeinsame Regierung gebildet haben, werden erste Resultate sichtbar. So haben einige Schulen wieder geöffnet, die Preise stabilisieren sich, Grundnahrungsmittel sind wieder erhältlich und die Anzahl der Cholerafälle sind gesunken. Für ein Land, das eine unbeschreibliche Inflation hatte, eine Arbeitslosenquote über 90 Prozent und Menschen, die aus dieser völligen Hoffnungslosigkeit geflohen sind, grenzt diese positive Entwicklung an ein Wunder.
Trotz dieser optimistischen Nachrichten hält sich das Ausland zurück und die Unterstützung bleibt aus. Die Strategie in Europa und USA heißt „abwarten und beobachten“. Gründe dafür gibt es viele, der ausschlaggebende ist, dass Mugabe immer noch der mächtigste Mann in Simbabwe ist. Mit ihm seine loyalen Minister und Unterstützer. Keiner glaubt an einen wirklichen Gesinnungswandel dieser Machthaber. Aber auf was wartet man eigentlich? Dass Tsvangirai dem nächsten Mordanschlag zum Opfer fällt, dass durch den ausgebliebenen Sold die Armee die Regierung putscht oder, dass Mugabe stirbt und alles wieder gut wird. Davon könnte natürlich alles eintreten, außer vielleicht, dass alles wieder gut wird.
Die Regierung um Tsvangirai versucht ihr Bestes, im Moment haben sie aber große Probleme die Staatsbediensteten zu entlohnen. Dazu gehören nicht nur er selbst oder Mugabe sondern auch die frustrierte Armee, Lehrer, Krankenschwestern etc. Die soziale Infrastruktur ist nötig, damit in Simbabwe wieder ein normales Leben stattfinden kann. Das ist aber kein Plädoyer für eine Aufhebung der Sanktionen und Freigabe der gesperrten europäischen Konten der Regierung Mugabes, da dieses Geld bestimmt nie für die soziale Infrastruktur des Landes, sondern eher für Mugabes persönliche gedacht war. Sondern ich plädiere dafür, dass nach Strategien gesucht wird, wie die staatlichen Strukturen aufgebaut und gefördert werden. Im Augenblick werden hauptsächlich Nichtregierungsorganisationen unterstützt, was für das Überleben der Bevölkerung wichtig ist, aber dem Aufbau staatlicher Strukturen entgegenwirkt. Die Schulen und Krankenhäuser müssen wieder geöffnet werden und das funktioniert nur mit staatlichen Geldern.
Also „Abwarten und Tee trinken“ funktioniert nicht, sondern es muss nach Simbabwe geschaut und geholfen werden und zwar jetzt! Sonst wird sich in ein paar Monaten das Elend verschlimmern und die Kosten für einen Wiederaufbau steigen.
Vielleicht wird darauf extra gewartet, dann kann man wieder Soforthilfe leisten und seine Überschussproduktion aus seiner hoch subventionierten Landwirtschaft loswerden. Aber das ist nur ein ganz böser Gedanke, der einer frustrierten Afrikanistin einfallen könnte.
Video zum Thema:
Weiterführende Informationen zur Lage in Simbabwe: